Maser

[392] Maser (Maserwuchs), krankhafte Holzbildung der Bäume, wobei die Holzfasern einen mehr oder weniger welligen Verlauf zeigen und das abnorm gebildete Holz bisweilen in solcher Masse entwickelt wird, daß an der Oberfläche der Stämme knollen- oder beulenförmige Auswüchse von sehr verschiedener Größe, sogen. Maserkröpfe oder Knorren, erzeugt werden. Anfänge maserartiger Verbiegungen finden sich an allen Stellen des Hauptstammes, an denen starke Äste abgehen. Bei Nadelhölzern, bei denen die in den Stamm eingesenkten Astanfänge verkienen, gehen die Holzfasern brillenartig um den Astzapfen herum und lösen sich beim Spalten leicht von ihm los. Der Maserbildung liegt häufig die Anlage einer ungewöhnlich großen Anzahl von Adventivknospen und die Unterdrückung ihrer Weiterentwickelung zugrunde. Es bleiben von den zeitig absterbenden Knospen nur die kurzen, stiftartigen Holzkörper zurück, und indem die neu sich bildenden Holzlagen des Stammes diese dicht stehenden Knospenreste umwachsen, erhalten sie den geschlängelten Faserverlauf (wimmeriger Wuchs). Diese sogen. Kropfmasern entstehen häufig an den Orten, an denen früher stärkere Äste gestanden haben, als beulenförmige Erhebungen, aus denen alljährlich Knospen hervorkommen. Die Erscheinung kommt nur an Laubhölzern, besonders Linden, Birken, Ulmen, Pappeln, Erlen, Ahornen und Kirschbäumen, vor. Verschieden davon sind die Knollenmasern, die aus einer kugeligen Holzbildung im Umkreis einer trichterförmigen Vertiefung mit unregelmäßigen Überwallungsrändern bestehen und bis zur Größe eines Menschenkopfes heranwachsen können; kleinere Knollen dieser Art lassen sich ziemlich leicht aus der Rinde herausbrechen. Große Maserkörper müssen glatt abgesägt und an der Wundfläche geteert werden. Da das Maserholz (Wimmer) größere Härte und schöne Zeichnung besitzt, so wird es von Tischlern und Drechslern gesucht (Beispiele verschiedener Masern s. Tafel »Nutzhölzer II«, Fig. 7,8,9,11 u. 12). Durch öfteres Entfernen der Zweige läßt sich die Bildung der M. hervorrufen und befördern. Die an den Wurzeln besonders von Kernobstbäumen auftretenden nuß- bis faustgroßen Holzknollen (Wurzelkröpfe) entstehen als weiche, krautartige Warzen und besitzen im ausgewachsenen Zustande den Faserverlauf der M. sowie im Innern eine tote Gewebestelle; sie werden durch Verletzungen der Wurzeln im ersten Lebensjahre hervorgebracht, wozu in Baumschulen der Wurzelschnitt beim Verpflanzen der Bäume Veranlassung gibt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 392.
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