Milchglas

[806] Milchglas, milchweißes Glas, das früher ausschließlich aus Kalknatronglas oder Bleiglas durch Zusatz von 10–15 Proz. phosphorsaurem Kalk (Knochenasche, Bakerguano) dargestellt wurde. Dies Beinglas (Knochenglas) ist nach dem Schmelzen vollkommen klar, wird aber um so trüber und weißer (schwach rötlich durchscheinend), je öfter es bei der Verarbeitung angewärmt wird. Statt des phosphorsauren Kalks wendet man auch 10–20 Proz. Zinnoxyd als trübende Substanz an. Das zinnhaltige Glas (ital. Latticinio) ist im durchfallenden Licht nicht rötlich. Ein sehr schönes, sattweißes M. erhält man durch Zusatz von Kryolith, wobei Fluoraluminium die Trübung hervorbringt. Dies in Amerika dargestellte Kryolithglas (Heißgußporzellan, engl. Hot cast porcelain) wird besonders zu Preßglas verarbeitet, wozu es sich durch seine große Leicht- und Dünnflüssigkeit besonders eignet. Es wurde ursprünglich[806] aus etwa 100 Sand, 40 Kryolith und 10 Zinkoxyd hergestellt, doch nimmt man jetzt wegen der Kostspieligkeit dieses Satzes gewöhnliches leichtflüssiges Glas und versetzt es mit viel Flußspat, namentlich künstlichem. Statt des Kryoliths benutzt man auch ein Gemenge von Flußspat und Feldspat (Spatglas), auch kommen tonerdefreie Spatgläser vor, bei denen Fluorzink der trübende Bestandteil ist. Man benutzt M. zu Beleuchtungsartikeln, Thermometerskalen, Vasen und andern Luxusgegenständen; auch findet es als Überfang, namentlich auf mehrmals überfangenen Gläsern, Verwendung und muß dann reichlicher mit trübender Substanz versetzt werden. In diesem Falle wird es stets durch Schleifen teilweise wieder entfernt, um Muster hervorzubringen. Die Benutzung von Zinnoxyd kannte schon Neri, das mit phosphorsaurem Kalk dargestellte M. wurde nach Kunckel von Daniel Krafft erfunden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 806-807.
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