Obĕron

[868] Obĕron (altfranz. Alberon, dem deutschen Alberich entsprechend), nach mittelalterlicher Sage König der Elfen. Die Stammsage der Merowinger erzählte von einem feindlichen Bruder des Meroveus, dem zauberkundigen Alberich, der seinem ältesten Sohne, Walbert, die Hand einer Prinzessin von Konstantinopel verschaffte. Diese Sage liegt, auf andre Personen übertragen, in dem altdeutschen »Ortnit«, in dem altfranzösischen »Huon de Bordeaux« (hrsg. von Guessard und Grandmaison, Par. 1860; in modernem Französisch von G. Paris, 1899) vor, wo Alberich zu dem zwerghaften Feenkönig Alberon oder Auberon geworden ist. Den Stoff dieses Gedichts, das später in einen Roman umgearbeitet wurde, benutzten die englischen Dichter Chaucer, Spenser, Shakespeare (im »Sommernachtstraum«), besonders aber Wieland in seinem romantischen Epos »O.« (1780). Nach letzterm ist Planchés Text zu Webers gleichnamiger Oper (1826) bearbeitet. Vgl. Voretzsch, Die Kompositionen des Huon von Bordeaux (Halle 1900).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 868.
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