Olīva [2]

[41] Olīva, Fernan Pérez de, span. Dramatiker und Moralphilosoph, geb. um 1497 in Cordoba, gest. vor 1534, studierte in Salamanca und Alcalá Philosophie und schöne Wissenschaften, dann in Paris Mathematik und Physik und hielt hierauf erst in Rom, dann in Paris drei Jahre hindurch Vorlesungen über Humaniora, später in Salamanca über Moralphilosophie. Theologie, Mathematik. 1533 ward er Rektor der Universität. Karl V. ernannte ihn auch zum Lehrer des jungen Philipp (II.). O. hat sich als Schriftsteller um die Literatur seines Vaterlandes bedeutende Verdienste erworben, indem er die spanische Sprache nach der altklassischen zu bilden und zu veredeln suchte. Sein Ruhm beruhte vorzugsweise auf einem im Geiste Ciceros geschriebenen, übrigens unvollendeten »Diálogo de la dignidad del hombre« (abgedruckt in Bd. 65 der »Biblioteca de autores españoles«), der für das erste klassische Muster didaktischer Prosa in der spanischen Literatur gilt. Derselbe wurde später von Francisco Cervantes de Salazar fortgesetzt. Auch in seinen Dramen ist er ein Nachahmer der Alten. Er bearbeitete in etwas trocknem Prosaton den »Amphitryon« des Plautus (um 1525; hrsg. von K. v. Reinhardstöttner, Münch. 1886; vgl. E. Gigas, »Nyere Digteres Bearbeidelser af Plautus Amphitruo«, Kopenh. 1886), die »Elektra« des Sophokles (als »Venganza de Agamenon«, 1528) und die »Triste Hecuba« des Euripides (abgedruckt in Sedanos »Parnaso«, Bd. 6). Olivas Werke wurden von seinem Schüler und Neffen Ambrosio de Morales herausgegeben (Cordoba 1585–86) und erst, nachdem sie 200 Jahre lang auf dem Index der verbotenen Bücher gestanden hatten, wieder gedruckt (Madr. 1787, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 41.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: