Pará [3]

[412] Pará (auch Nossa Senhora de Belém, offiziell Belém), Hauptstadt des gleichnamigen brasil. Staates (s. oben), 138 km vom Atlantischen Ozean, der Insel Marajo gegenüber auf einer Landspitze am rechten Ufer des Gran Pará oder Parástroms, des Astuariums des Tocantins, in dem Schiffe von 6,8 m Tiefgang bis an den von Kais eingefaßten Hafen gelangen. Die Stadt hat eine 1720 erbaute Kathedrale, Regierungspalast, Theater, Arsenal, Seminar, Lyzeum, öffentliche Bibliothek und Museum und ist Sitz eines deutschen Konsuls, mit (1902) schätzungsweise 100,000 Einw., die vorwiegend Handel treiben, da P. der einzige Seehafen des Staates ist. Eingeführt werden Reis, Bohnen, Butter, Früchte, Schuhwaren, Baumwollenstoffe, Steinkohlen, Eisenwaren, ausgeführt Kautschuk, Kakao, Paránüsse, Rehhäute, Fischleim, Chinarinde, Sassaparilla, Strohhüte, Kopaivabalsam. Auf dem Amazonenstrom verkehrt die Amazon Steam Navigation Company und die Hamburg-Amerika-Linie, auf dem Tocantins eine weitere Dampfschiffgesellschaft, mit Europa die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft, zwei englische und eine französische, mit Nordamerika eine nordamerikanische, mit den übrigen Häfen Brasiliens eine brasilische Linie. Die Stadt entstand aus einem 1616 angelegten portugiesischen Fort, bei dem bald darauf Kapuziner eine Mission gründeten.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 412.
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