Pico [3]

[863] Pico, Giovanni, Graf von Mirandola, Fürst von Concordia, Humanist, geb. 24. Febr 1463 auf Mirandola, gest. 17. Nov. 1494 in Florenz, bezog 1476 die Universität Bologna, besuchte dann die bedeutendsten Schulen Italiens und Frankreichs, veröffentlichte 1486 in Rom 900 ThesenConclusiones philosophicae, cabalisticae et theologicae«), wurde wegen derselben der Ketzerei angeklagt, aber freigesprochen und lebte zuletzt als Freund Lorenzos de' Medici in Florenz. Von seltener Vielseitigkeit des Wissens und Tiefe des Geistes, suchte er Platonische und Aristotelische Lehre, Religion und Philosophie unter Zuziehung neuplatonischer und kabbalistischer Ideen zu verschmelzen. Seine einst vielgelesenen »Opera« wurden Bologna 1496, Venedig 1498, Basel 1557 u. ö. gedruckt. Ausgewählte Schriften übersetzte A. Liebert ins Deutsche (Jena 1905). Vgl. Dreydorff, Das System des Joh. P. (Marb. 1858); Di Giovanni, P. della M., filosofo platonico (Flor. 1882) und P. nella storia del rinascimento etc. (Palermo 1894); Dorez und Thuasne, Pic de la Mirandole en France 1485–1488 (Par. 1897). – Sein Neffe Giovanni Francesco P. von Mirandola, geb. 1469, von einem seiner Neffen 15. Okt. 1533 auf dem Schloß Mirandola ermordet, verfaßte eine Lebensbeschreibung seines Oheims sowie Savonarolas (Mirandola 1530) und einige philosophische Schriften, die in den spätern Ausgaben seines Oheims (Basel 1573, 1601, 2 Bde.) mitgedruckt sind.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 863.
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