Pistole [1]

[912] Pistole (vielleicht von der ital. Stadt Pistoja, oder vom tschech. pistala, »Rohr«), kurze, einhändige Handfeuerwaffe, früher auch Faustrohr, Fäustling genannt, prinzipiell den Gewehren ähnlich, deren Entwickelungsgang sie auch mitmachte, vgl. die Abbildungen.

Fig. 1–4. Pistolen aus der Dresdener Gewehrgalerie.
Fig. 1–4. Pistolen aus der Dresdener Gewehrgalerie.

[914] Die Landsknechte führten sie als »kurze, feuerschlagende Büchse«, in den niederländischen und Hugenottenkriegen hießen die deutschen Reiter des erfolgreichen Gebrauchs der P. wegen Pistoliers. Pistolen mit zwei Läufen sind Doppelpistolen; bei der Kolbenpistole kann der Kolben durch einen ansteckbaren Teil zum zweihändigen Gebrauch verlängert werden.[913] Gegenüber der von der Reiterei geführten Sattelpistole nennt man kleine Taschenpistolen Terzerole. über Floberts Zimmerpistole s. Tesching. Besonders berühmte Pistolenfabrikanten waren Lazaro Lazarini und Kuchenreuter. – Für den Gebrauch zu Pferde wurde die P. allmählich durch Karabiner und Revolver (s. d.) verdrängt, doch kommt sie neuerdings durch die großen Fortschritte der Selbstladekonstruktionen wieder zu Ehren und haben schon verschiedene Armeen Selbstladepistolen eingeführt, s. die Artikel »Handfeuerwaffen, S. 751, Selbstlader und Espingole«.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 912-914.
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912 | 913 | 914
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