Ruisdael

[246] Ruisdael (spr. reusdal, Ruysdael), 1) Salomon van, holländ. Maler, geb. um 1600 in Haarlem, wurde 1623 Mitglied, 1648 Vorstand der dortigen Malergilde und 1. Nov. 1670 daselbst begraben. R., vermutlich bei E. van de Velde gebildet, malte im Anschluß an Goyen holländische Flach- und Uferlandschaften, Fluß- und Kanalansichten. Anfangs war sein Kolorit etwas wollig, namentlich im Laub der Bäume, entwickelte sich aber bald zu voller Klarheit, [246] Wärme und Leuchtkraft, um dann zuletzt in einen schweren, bräunlichen Ton zu verfallen. Bilder von ihm befinden sich in den meisten größern Galerien.

2) Jakob van, Maler, Neffe und Schüler des vorigen, geb. 1628 oder 1629 in Haarlem, begraben daselbst 14. März 1682, trat 1648 in die Malergilde daselbst, erwarb 1659 das Bürgerrecht in Amsterdam, wurde jedoch 1681 wegen Armut nach Haarlem zurückgeschickt, wo er im Armenhause starb. R. ist der größte holländische Landschaftsmaler und in bezug auf Tiefe und Energie der poetischen Stimmung wie auf plastische Kraft der Darstellung einer der größten Landschaftsmaler überhaupt. Er hat die Landschaft zum Spiegel menschlichen Empfindens gemacht und zum erstenmal die Geheimnisse der Naturseele enthüllt. R. hat die Motive zu seinen Landschaften zum Teil der Umgebung Haarlems, zum Teil den Holland benachbarten Gegenden Deutschlands entlehnt, wo er sich besonders in das Studium der Eichenwälder vertiefte. Unter dem Einfluß seines Freundes Everdingen hat er auch mit Vorliebe frei erfundene Wasserfälle mit den Eichenwäldern in Verbindung gebracht. Seltener sind eigentliche Marinen in seinem Werke.

J. van Ruisdael.
J. van Ruisdael.

Seine Landschaften sind sehr zahlreich (gegen 500). Besonders gut ist er in der Petersburger Eremitage, der Londoner Nationalgalerie und den Galerien in Dresden und Berlin vertreten. Seine Hauptwerke sind: der Judenkirchhof, Schloß Bentheim, das Kloster (Dresdener Galerie), der große Wald (Wien, Hofmuseum), Wassermühle, Windmühle und Sandweg (Amsterdam, Reichsmuseum), der Sumpf (Petersburg, Eremitage), die Wasserfälle (in Dresden, Braunschweig und Kassel), die Ansichten von Haarlem (Haag, Amsterdam, Berlin). Er hat auch Ansichten aus dem Innern von Städten (Ansicht des Damplatzes in Amsterdam) gemalt und zehn geistvoll radierte Blätter hinterlassen. Vgl. Michel, Jacob van R. et les paysagistes de l'école de Haarlem (Par. 1890).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 246-247.
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