Rute [2]

[337] Rute (Penis), das männliche Begattungsglied, das den Samen in einer Rinne oder Röhre leitet und in die Scheide des Weibchens einführt. Sie ist sehr verschieden gebaut, mitunter doppelt vorhanden, zuweilen mit Stacheln versehen, oft hornig, vielfach aber in der Ruhe weich, während der Verwendung aber durch Blutzufluß geschwollen und härter. Letzteres ist der Fall bei vielen Wirbeltieren, wo die[337] R. eine Ausstülpung der Wand der Kloake ist. Sie fehlt den Fischen, ist bei den Amphibien nur durch eine Warze angedeutet, auch bei den Vögeln mit Ausnahme der Strauße und Schwimmvögel kaum vorhanden, dagegen bei manchen Reptilien, noch mehr bei den Säugetieren gut entwickelt. Unter letztern dient sie nur bei den Schnabeltieren einfach zur Fortleitung des Samens, ist hingegen bei allen übrigen zu einem langen Rohr umgestaltet, das in seinem Innern die Harnröhre, mit ihr also auch den Ausführungsgang der Hoden enthält und für die Einführung in die weibliche Scheide durch besondere Vorrichtungen gesteift werden kann. Es finden sich nämlich in ihr zwei eigne Schwellkörper (corpora cavernosa penis) und zwei meist verschmolzene Harnröhrenschwellkörper (corpora cavernosa urethrae), welch letztere an ihrer Basis zur Harnröhrenzwiebel (bulbus urethrae) angeschwollen sind. Die Schwellkörper sind schwammige Gebilde, die sich durch starken Blutandrang ausdehnen und prall füllen (vgl. Erektion). Besondere Muskeln befestigen die R. und vermögen sie in die Höhe zu heben. Bei den meisten Säugetieren liegt sie in der Ruhe unter der Haut und mündet am Nabel aus, bei andern hängt sie frei herab (Fledermäuse, Affen, Mensch; s. Tafel »Eingeweide II«, Fig. 4). Die Haut bildet um das häufig verdickte Ende der R. (Eichel, glans penis) eine doppelte, zurückschlagbare Bedeckung (Vorhaut, praeputium). Letztere umgibt die Eichel entweder vollständig oder unvollständig; zwischen ihren beiden Blättern wird aus den sogen. Vorhautdrüsen (glandulae Tysonianae), die besonders bei Nagetieren entwickelt sind, der stark riechende Vorhauttalg (smegma praeputii) abgesondert. Bei der Steifung (Erektion) der R. streift sich in der Regel die Vorhaut von der Eichel zurück. Die R. ist auf das reichste mit Nerven und deren Endorganen ausgestattet und daher ungemein empfindlich. Bisweilen ist die Vorhaut länger und so eng, daß sie nur unter Schmerzen oder gar nicht zurückgezogen werden kann (vgl. Phimose).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 337-338.
Lizenz:
Faksimiles:
337 | 338
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika