Schwarzwasserfieber

[128] Schwarzwasserfieber (Melanurie, Febris biliosa et haemoglobinurica), eine namentlich in den Tropen Afrikas beobachtete schwere Form der Malaria mit akuter Zerstörung der roten Blutzellen, deren Farbstoff in den Harn übergeht und ihm eine braunrote bis schwarzbraune Farbe verleiht; daher der Name. Zum Teil wird der durch Blutzellenzerfall frei werdende Blutfarbstoff auch in der Leber zu Gallenfarbstoff verarbeitet, durch dessen übermäßige Produktion dann starke Gelbsucht entsteht. Vom S. werden meist Personen befallen, die schon vorher an Malaria gelitten haben und in ihrem Gesamtbefinden heruntergekommen sind. Die Krankheit verläuft unter hohem Fieber, schweren Allgemeinerscheinungen (Unruhe, heftigster Kopfschmerz, äußerste Schwäche, schweres Daniederliegen des Blutkreislaufes), dabei schwellen Leber und Milz stark an. In wenigen Tagen entsteht eine schwere Blutarmut. Der Urin enthält außer Blutfarbstoff häufig große Eiweißmengen als Zeichen schwerer Nierenentzündung, die auch zum völligen Versiegen des Harns und zu Urämie führen kann. Bei zunehmender Herzschwäche und Benommenheit kann in 8–14 Tagen der Tod erfolgen; in andern Fällen tritt eine plötzliche Besserung ein. – Neuerdings wurde vielfach die Ansicht laut, daß das S. nur eine Chininvergiftung sei und nur bei Leuten auftrete, die gegen dieses Heilmittel der Malaria eine Idiosynkrasie haben. Nach Plehn soll das Chinin auf die durch die Malaria geschädigten Blutzellen ungünstig einwirken. Koch fand nur bei einer kleinen Zahl an S. leidender Personen Malariaplasmodien. Das Chinin wird demgemäß bei S. von manchen Autoren verworfen, während es von andern noch empfohlen wird; das Wesen des Schwarzwasserfiebers erscheint noch nicht völlig geklärt. Vgl. Steudel, Die perniziöse Malaria in Deutsch-Ostafrika (Leipz. 1894); Scheube, Die Krankheiten der warmen Länder (3. Aufl., Jena 1903); Plehn, Ätiologische und klinische Malariastudien (Berl. 1890); R. Koch, Reisebericht über Kinderpest, tropische Malaria, S. etc. (das. 1898).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 128.
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