Schwefelmetalle

[159] Schwefelmetalle (Sulfurete, Sulfide), Verbindungen der Metalle mit Schwefel, finden sich zum Teil in der Natur als Kiese, Glanze und Blenden, entstehen häufig beim Zusammenbringen des Metalls mit Schwefel und bisweilen unter Feuererscheinung, ferner bei Einwirkung von Schwefel, Schwefelwasserstoff oder Schwefelkohlenstoffdampf auf Metalloxyde, bisweilen nur bei gleichzeitiger Anwesenheit von kohlensaurem Kali und Kohle; sie entstehen auch bei Einwirkung von Schwefelwasserstoff oder Schwefelammonium auf Metalle oder Metallsalzlösungen und wenn man Schwefelsäuresalze vollkommen reduziert. Durch Einwirkung faulender organischer Substanzen auf Schwefelsäuresalze entsteht besonders häufig Schwefeleisen in der Natur. Meist bilden die Metalle ihren Oxyden entsprechende Schwefelverbindungen, und bei vielen Metallen hat man verschiedene Schwefelungsstufen zu unterscheiden, von denen die niedern als Sulfurete oder Einfachschwefelmetalle, die höhern (Polysulfurete) als Bis-, Ter-, Quater- oder Di-, Tri-, Tetrasulfurete (Zweifach-, Dreifach-, Vierfachschwefelmetalle) bezeichnet werden. Verbindungen von Schwefelmetallen mit Oxyden, die man auch als Sulfide auffassen kann, in denen ein Teil des Schwefels durch Sauerstoff ersetzt ist, nennt man Oxysulfurete (Oxysulfide). Viele derartige Verbindungen kommen als Mineralien vor, andre kann man künstlich darstellen. Die einzelnen S. zeigen manche Ähnlichkeit mit den Oxyden, manche (Sulfurete) bilden mit Wasser Basen (Sulfobasen, Hydrosulfide), andre (Sulfüre, Sulfide) Sulfosäuren. Es gibt aber auch indifferente S. Die Sulfobasen vereinigen sich mit den Sulfosäuren zu Sulfosalzen, die den Sauerstoffsalzen entsprechen, aber an Stelle des Sauerstoffs Schwefel enthalten. Die S. sind starre, oft sehr charakteristisch und lebhaft gefärbte Körper, von denen die der Alkalimetalle leicht, die der Erdalkalimetalle schwer, die übrigen in Wasser nicht löslich sind. Viele werden durch verdünnte Säuren zersetzt, und diese werden daher aus den Lösungen der Sauerstoffsalze durch Schwefelwasserstoff nicht gefällt, sondern nur durch Schwefelammonium, wobei ein Ammoniaksalz entsteht. Auf diesem Verhalten und auf der Löslichkeit gewisser S. in überschüssigem Schwefelammonium beruht die Scheidung der Metalle bei der chemischen Analyse. S. sind im allgemeinen schwerer reduzierbar als Oxyde; beim Erhitzen an der Luft geben sie meist Schweflige Säure und Metalloxyde, bisweilen auch Schwefelsäuresalze. Hiervon macht man bei der Verhüttung vieler Erze Gebrauch. Manche S. verlieren, bei Abschluß der Luft erhitzt, einen Teil ihres Schwefels (Schwefelgewinnung aus Schwefelkies), und es bleibt eine schwefelärmere Verbindung zurück. Die Schwefelalkalimetalle oxydieren sich bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft, werden aber auch durch die Kohlensäure der Luft zersetzt und riechen daher nach Schwefelwasserstoff. Auch manche Schwefelverbindungen der schweren Metalle sind sehr leicht zersetzbar und geben, z. B. wie das Schwefeleisen, mit verdünnter Schwefelsäure ein Schwefelsäuresalz und Schwefelwasserstoff. Die S. haben hauptsächlich als Erze der Schwermetalle Bedeutung, die Schwefelverbindungen der Erdalkali- und Alkalimetalle spielen in der Technik eine Rolle und werden zum Teil auch medizinisch benutzt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 159.
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