Bessel

[676] Bessel, 1) Gottsried v. B., geb. 1672 in Buchheim im Mainzischen, trat 1692 in den Benedictinerorden, war längere Zeit Lehrer der Philosophie u. Theologie im Kloster Seligenstadt u. wurde von dem Kurfürsten Lothar Franz von Mainz zu mehreren Legationen verwendet; er wurde nachher Professor der Theologie an der Universität zu Wien u. starb 1749 als Abt von Göttweih. Er soll bes. den Übertritt des Herzogs Anton Ulrich von Wolfenbüttel zur Katholischen Kirche (1710) bewirkt haben. Er schr. u.a.: Chronicon Gottvicense, Tegernsee 1732, Fol. 2) Friedrich Wilhelm, geb. 1784 in Minden; widmete sich in Bremen der Handlung, verließ sie aber aus Liebe zur Mathematik u. legte sich später ausschließlich auf das Studium der Astronomie, studirte 1806–10 unter Schröter in Lilienthal, erhielt 1810 einen Ruf nach Königsberg, wo er 1812 eine Sternwarte anlegte u. als Geheimer Regierungsrath 1846 starb. Er schr.: Über die nähere Bahn des 1807 erschienenen Kometen, Königsb. 1810; Fundamenta astronomiae, ebd. 1818; Untersuchungen über das Vorrücken der Nachtgleiche, Berl. 1821; Untersuchungen über die Länge des einfachen Secundenpendels, ebd, 1828; Astronomische Beobachtungen auf der Sternwarte in Königsberg, Königsb. 1815–35, 21 Abthl., 1815–46 fortgesetzt von Busch; Tabulae Regiomontanae, ebd. 1830; Versuche über die Kraft, mit der die Erde Körper von verschiedener Beschaffenheit anzieht, Berl. 1833; Bestimmungen der Länge des einfachen Secundenpendels für Berlin, ebd. 1837; mit Bayer, Gradmessung in Ostpreußen, ebd. 1838; Darstellung der Untersuchungen u. Maßregeln, welche 1835–38 durch die Einheit des preußischen Längenmaßes veranlaßt worden sind, ebd. 1839; Astronomische Untersuchungen, Königsb. 1841 f., 3 Bde.; Populäre Vorlesungen über wissenschaftliche Gegenstände, herausgeg. von Schuhmacher, Hamb. 1847; Über die aus der Schwere hervorgehenden Veränderungen, die der Kreis eines astronomischen Instruments in der lothrechten Lage seiner Ebene erfährt, u. Theorie des Saturnsystems[676] im 25. u. 28. Bde. der Astronomischen Nachrichten. Seinen Briefwechsel mit Olbers, Lpz. 1852, 2 Bde., gab A. Erman heraus. Sein Sohn, 3) Wilhelm, hat sich als astronomischer Rechner bekannt gemacht, starb aber noch bei Lebzeiten seines Vaters.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 676-677.
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