E [1]

[436] E, 1) in den meisten abendländischen Sprachen der 5. Buchstab des Alphabets u. der 2. Vocal. Das deutsche e galtursprünglich u. bei den Gothen nur für den breiten u. langen Laut, wie er in dem Worte mehr, sehr etc. ausgesprochen wird. Doch schon im Althochdeutschen ist e kurzer Vocal u. unterscheidet sich in der Aussprache, je nachdem es als Umlaut aus a od. i hervorgegangen ist; das erstere wird bald geschärft, bald gedehnt (ê) ausgesprochen in Engel, Ende; heben, legen etc.; das andere, nur gedehnt, neulich ë bezeichnet u. breit wie ä ausgesprochen in geben, Weg, pflegen etc.; darnach unterschieden regen u. Regen etc.; so noch im Neuhochdeutschen. Auch das lateinische E. unterschied für beide Laute nicht in der Schrift; ja in der Runenschrift gab es gar kein Zeichen für e, denn die punktirte Rune gehört zu den später eingeführten u. I (i) vertrat dessen Stelle. Auch die älteste griechische Sprache hatte nur ein Zeichen (E); die Ioner aber brauchten für den breiten, dem i sich nähernden Laut[436] ein besonderes Zeichen (Η, η), welches dann auch die Attiker aufnahmen, u. das kurze (Ε, ε) Epsilon (d.i. dünnes E), letzteres aber Eta nannten, s.u. Griechische Sprache; im Neugriechischen sind beide beibehalten, doch lautet hier η wie i. Auch andere Sprachen, z.B. die hebräische, unterscheiden ein durch Punkte unter der Zeile angezeigtes langes (Zere) u. kurzes (Segol) E (s.u. Hebräische Sprache). Die Araber dagegen bezeichnen E und I mitdemselben Zeichen (Kesra). Die Engländer sprechen E (lang) wie ih, (kurz) wie geschärftes i aus u. verschlucken es meist am Ende. Die Franzosen unterscheiden E ouvert (è = ä), E fermé (é = e) u. E muet (e, welches nicht ausgesprochen wird); 2) als Zahlzeichen: a) im Griechischen: aa) έ = 5, ε = 5000; bb) ή = 8, η = 8000; b) im Lateinischen (später) = 250; c) in der Rubricirung = 5; 3) als Abkürzung: a) in römischen Inschriften, Handschriften etc. u. in neuerem Gebrauch so v.w. Ennius, est etc.; b) auf dem Revers neuer Münzen: aa) österreichisch = Karlsberg (in Siebenbürgen); bb) preußisch = Königsberg; cc) französisch = Tours; 4) in der Logik bezeichnet E einen allgemein verneinenden Satz, vgl. A 3) c); 5) (Phys.), Bezeichnung von Elektricität; 6) chemisches Zeichen für Erbium; 7) (Mus.), die 5. Saite der diatonisch-chromatischen Tonleiter, od. die 3. diatonische Stufe unseres Tonsystems, die große Terz von c.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 436-437.
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