Hetzer [2]

[347] Hetzer, Ludwig, geb. zu Ende des 15. Jahrh. zu Bischofszell im Thurgau; er war Kaplan in Wädenschwyl am Züricher See u. mußte die Verhandlungen des zweiten Züricher Religionsgesprächs über Bilder u. Messe (26.–28. Oct. 1523) officiell verzeichnen u. herausgeben; 1524 begab er sich nach Augsburg, wo er sich mit literarischen Arbeiten beschäftigte. Hier wurde H., welcher als Spiritualist zu der wiedertäuferischen radicalen Partei gehörte u. die Trinität, die Gottheit Christi u. den Werth der Versöhnung Christi leugnete, bald ein angesehenes Sectenhaupt u. Vorsteher geheimer Gesellschaften, in denen er Zwingli u. Leo Judä als die mächtigen Feinde des züricher Radicalismus u. die lutherische Abendmahlslehre bekämpfte, 1525 aber als Unruhestifter aus der. Stadt verwiesen; er ging nach Basel zu Öcolampadius, 1526 auch nach Zürich, beugte sich wieder unter Zwingli, schloß sich aber bald wieder an die dortigen Wiedertäufer an u. verließ in demselben Jahre von Neuem die Stadt. Er ging nach Strasburg, von da in die Rheinpfalz u. wirkte mit seinem Gesinnungsgenossen Joh. Denk in Worms Bergzabern, Landau etc. unter dem Landvolke, verließ aber nicht lange nachher gezwungen das Land u. begab sich wieder in die Schweiz, wo er 1526 in Constanz verhaftet u. wegen seiner wiedertäuferischen Ansichten hingerichtet wurde. Er schr. u.a.: Urtheil Gottes, wie man sich mit allen Götzen u. Bildnissen halten soll, aus der heiligen Gschrift entzogen, Zür. 1523 u.ö.; Von den evangelischen Zechen, ebd. 1525; Alle Propheten nach Hebräischer sprach verteutscht (mit Joh. Denk), Worms 1527; vgl. Blarer, Wie L. Hetzer zu Costentz mit dem schwert gericht uß diesem zyt abgescheyden ist, Strasburg 1529.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 347.
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