Trinität

[834] Trinität (Dreieinigkeit), die Lehre, daß in der Gottheit drei Personen sind, Gott der Vater, Gottder Sohn u. Gott der Heilige Geist. A) Die Lehre der Schrift. Schon im Alten Testamente wollte man Spuren dieses Dogmas finden, namentlich in den Stellen, wo eine Mehrheit der Subjecte in Gott angedeutet wird, z.B. in der Segensformel (4. Mos. 26,4), bei Jesaias 6,3, in dem dreimal wiederkehrenden Heilig (Trishagion); in Psalm 33,6, wo man in den drei Ausdrücken: Herr, Wort u. Geist die drei Personen erkennen zu sollen glaubte. Auch zog man alle diejenigen Stellen hierher, wo ein Sohn Gottes (Psalm 2,7) od. ein Heiliger Geist (Jes. 11,2) erwähnt wird, u. die Kabbalisten (s.d.) knüpften ihre Lehren, von aus Gott selbständig hervorgegangenen Kräften (s. Sephiroth) an diese u. andere Stellendes Alten Testamentes an. Indeß sind jene alttestamentlichen Stellen auch ganz anders erklärt worden, so daß eine Gewißheit über die Lehre der T. im Alten Testament sich nicht erweisen, sondern nur das annehmen läßt, daß in demselben eine Vorbereitung zur neutestamentlichen Trinitätslehre ist. Die T. im Neuen Testamente tritt zwar nicht mit derselben Klarheit u. Bestimmtheit hervor, wie andere Lehren, allein es wird doch beim Festhalten der Einheit Gottes die göttliche Wesenheit des Sohnes u. des Heiligen Geistes u. die Verschiedenheit der Gottheit der drei Personen von einander dargestellt. Die wichtigsten Stellen, in denen drei göttliche Personen erwähnt werden, sind (außer der als entschieden unecht anerkannten Stelle 1. Joh. 5,7): Matth. 18,19, wo in der Taufformel Vater, Sohn u. Geist als für sich bestehende, zwar von einander verschiedene, aber doch wieder eng verbundene Subjecte bezeichnet werden; dann 2. Cor. 13,13 u. 1. Petr. 1,2. Wie Gott der Vater, so hat der Sohn u. der Heilige Geist eine vorweltliche Existenz (Joh. 17,5 u. 1. Cor. 2,10). Der Sohn steht zum Vater in einem Abhängigkeitsverhältniß in seinem Handeln (Joh. 5,26 u. 5,19), ebenso der Geist, welchen der Sohn erst vom Vater sendet (Joh. 15,26). Ihre Wirksamkeit nach Außen wurzelt bei aller Verschiedenheit doch wieder in einer Einheit, indem der Vater die Schöpfung u. Erlösung der Welt veranlaßt (1. Cor. 18,6), der Sohn beides aber vermittelt (Joh. 1,3) u. der Heilige Geist dasselbe vollzieht (Eph. 2,18 u. 1. Cor. 12,2). B) Die Entwickelung der Lehre von der T. in der Kirche. Diese Entwickelung, welche genau mit der Entwickelung der Christologie zusammenhing, nahm ihren Ausgangspunkt von der Taufformel. In den ersten 3 Jahrh. der Christlichen Kirche bekannten die orthodoxen Kirchenlehrer Gott Vater, Sohn u. Heiligen Geist u. nannten Jesus Gott, ertheilten aber Gott die höchste Vollkommenheit u. Würde. Über die Persönlichkeit des Logos, über das gegenseitige Verhältniß zwischen Vater u. Sohn, über die Natur des Heiligen Geistes galten verschiedene Ansichten, bes. fanden sich im 3. Jahrh. zwei Ansichten gegenüber: die der Subordinatianer, welche behaupten, der Sohn stehe unter dem Vater, der Heilige Geist unter beiden, alle drei aber seien gleich, wie es Tertullian auch ausdrückte, welcher zuerst das Wort Trinitas gebrauchte, u. Macedonius, welcher den Sohn dem Vater ähnlich, aber den Geist den Diener sein ließ; u. die der Emanatianer, welche ein Ausgehen des Sohnes u. des Geistes vom Vater durch Ausfließung (s. Emanation) annahmen. wie die Gnostiker. Nach der Ansicht der Modalisten besteht der Unterschied der Personen in der T. blos in einer verschiedenen Art (Modus) sowohl der Benennung, als der Äußerung der Gedanken u. Vorstellungen in Gott, nämlich daß die drei Personen nur besondere Wirkungs- u. Offenbarungsarten (Modi cogitandi) anzeigen. In dieser Weise traten bes. die Sabellianer (s.d.) der Kirchenlehre entgegen. Einen bestimmten Abschluß erhielt die Lehre von der T. durch die Arianischen Streitigkeiten. Arius lehrte: Gott der Vater allein ist ewig u. Schöpfer u. Erhalter der Welt; der Sohn wurde vor Erschaffung der Dinge durch den freien Willen des Vaters aus Nichts geschaffen, ist dem Vater nicht gleich an Wesen, sondern untergeordnet; vom Geiste sagt er nichts, er scheint ihn für ein Geschöpf des Sohnes gehalten zu haben. Gegen ihn wurde auf dem Concil in Nikäa 325 dem Sohne u. 381 zu Constantinopel dem Heiligen Geiste gleiches Wesen u. gleiche Würde mit dem Vater ertheilt, u. als Kirchenlehre galt nun: zu verehren ist Gott Vater, der Schöpfer der Welt; ein Herr, Jesus Christus, der Sohn Gottes, welcher ebenfalls Gott ist, aus Gott von Ewigkeit gezeugt, nicht geschaffen, dem Vater an Wesen gleich (ὁμοούσιος, consubstantialis); der Heilige Geist geht vom Vater aus. Vater, Sohn u. Geist sind drei Wesen (Essentiae, Personae, Hypostaseis) in Einer Natur von Ewigkeit[834] her vereinigt. Die Art der Vereinigung galt als das Geheimniß des göttlichen Wesens. Jede Abweichung davon wurde, selbst nach bürgerlichen Gesetzen, als Ketzerei bestraft, u. der obige Begriff unverändert festgehalten; nur schob die Lateinische Kirche 589 auf dem Concil zu Toledo in die letztere Formel (wo es von dem Heiligen Geiste heißt: qui ex patre procedit) nach patre noch filioque ein, daß also der Heilige Geist auch vom Sohne ausgehe, u. diese Formel hat die Abendländische Kirche beibehalten, wogegen die Griechische Kirche an der unveränderten nikäischen Formel festgehalten hat u. den Heiligen Geist blos vom Vater ausgehen läßt. Athanasius, Augustinus (De trinitate) u. bes. das im 5. Jahrh. zum Vorschein gekommene Athanasianische Symbolum bildete die Lehre so aus, wie sie noch jetzt in der orthodoxen Dogmatik der oben genannten Kirchen zu finden ist. Die Scholastiker des Mittelalters fanden in der Trinitätslehre ein großes Feld zu subtilen Distinctionen u. Schöpfungen neuer Wörter, jedoch erregten die neuen Aufstellungen derselben wenig Aufsehen in der Kirche, weil die überwiegende Majorität an der festgesetzten kirchlichen Formel festhielt. Für Trinitas bildeten sie das Wort Triplicitas (Dreifaltigkeit) u. unterschieden Spiratio activa für Gott u. Jesus, sofern diese den Heiligen Geist ausgehaucht haben, u. Spiratio passiva für den Heiligen Geist, sofern er vom Vater u. Sohn ausgehaucht worden od. ausgegangen war, u. nannten dagegen Inspirabilität die Eigenthümlichkeit des Vaters u. des Sohnes, daß beide ihr Wesen durch keine Spiration od. durch kein Ausgehen haben, wie sie der Heilige Geist hat; ferner Characteres hypostatici, Eigenschaften, welche jeder der drei Personen für sich, nicht in Gemeinschaft mit der anderen, zukommen; Axiomata hypostatica, die Merkmale, wodurch die drei Personen als verschiedene kennbar werden, obgleich sie nur Ein göttliches Wesen bilden, u. diese Merkmale waren, daß Gott der Vater den Sohn gezeugt u. den Heiligen Geist ausgehaucht habe, daß der Sohn vom Vater gezeugt, u. daß endlich der Heilige Geist von beiden ausgegangen sei; Opera ad extra (O. externa, O. transeuntia), die Handlungen der Gottheit in Beziehung auf die geschaffenen Wesen, wodurch sich die verschiedenen Personen der T. unterscheiden; O. ad intra (O. interna, O. immanentia, Actus personales), die Handlungen Gottes in Beziehung auf sich selbst, ohne alle Rücksicht auf die Schöpfung, z.B. die Schöpfung des Sohnes von Ewigkeit etc.; O. attributiva (O. communia), die Handlungen Gottes, welche, obgleich sie allen drei Personen gemeinsam sind, dennoch in der Bibel den einzelnen Personen zugeschrieben werden, wie z.B. daß der Vater Alles geschaffen habe u. erhalte, der Sohn aber die Welt erschaffen habe u. die Todten auferwecken werde, der Heilige Geist den Willen Gottes offenbare etc. In der Reformation wußten sich die Protestanten in dem Artikel von der T., als einem Fundamentalartikel des christlichen Glaubens, mit der Katholischen Kirche in vollkommener Übereinstimmung, was in den Schmalkaldischen Artikeln ausdrücklich ausgesprochen ist. Die Symbolischen Bücher der Lutherischen Kirche bestimmen die T. als das gegenseitige Verhältniß zwischen Gott Vater, Sohn u. Geist, wornach sie drei verschiedene Personen, doch derselben Natur theilhaftig u. gleichewig sind. Die scholastischen Distinctionen wurden auch in der lutherischen Dogmatik beibehalten, nur den Ausdruck Triplicitas, welcher eine falsche Vorstellung gebe, mißbilligte Luther. Seit dem 16. Jahrh. deuteten die Antitrinitarier die Trinitätslehre theils modalistisch (s. oben), wie Servede, theils arianisch, wie im 16. Jahrh. Campanus, Gentilis, Hetzer u. Denk, im 17. Sande u. Dippel, im 18. W. Whiston, Sam. Clarke u. Vernet, welche auch Subordinatianer (s. oben) genannt werden, u. die im 17. Jahrh. entstandene Partei der Arminianer od. Remonstranten; theils streng unitarisch, wie die seit dem 16. Jahrh. bestehende Partei der Socinianer od. Unitarier (s.d.), welche keine Mehrheit der Personen im einigen Gott statuiren, Jesus für einen bloßen, durch göttliche Kraft hervorgebrachten u. mit derselben ausgestatteten Menschen u. den Heiligen Geist für diese Kraft erklären. Mittlerweile bemächtigte sich auch die Philosophie der Trinitätslehre, u. während dieselbe Jakob Böhme in seiner mystisch-theosophischen Weise behandelte, stellte die Wolfsche Schule Gott in der Weise als den Dreieinigen dar, daß er nach verschiedenen Willensacten den Stoff der ideellen Welten producirt, die Formen ordnet u. für die beste der drei Welten entscheidet. Nach Kant erscheint Gott in der T. als Schöpfer u. Gesetzgeber, ferner als Erhalter, Regierer u. sittlicher Versorger u. als Richter nach seinen Gesetzen. Die Schellingsche u. Hegelsche Philosophie deducirt in den Formen ihrer Schulsprache die T. so, daß der ewige, aus dem Wesen des Vaters aller Dinge geborene Sohn Gottes das Endliche selbst, wie es in der Anschauung Gottes ist, daß er als leidender Gott in dem Gipfel seiner Erscheinung, in Christo, die Endlichkeit schließt, u. daß er hiermit die Welt der Unendlichkeit od. die Herrschaft des Geistes eröffnet. Diejenigen Theologen, welche auf dem Boden der neuen Philosophie standen, wie Daub, de Wette u. A., construirten die Lehre von der T. in verwandter speculativer Weise; dagegen fand Schleiermacher in der Lehre der Bibel ein dreifaches Sein Gottes, ein Sein desselben in sich (des Vaters), ein Sein Gottes in Christo (des Sohnes) u. ein Sein Gottes in der christlichen Kirche (des Heiligen Geistes) u. näherte sich dadurch in Sätzen der Sabellianer (s. oben). Die rationalistischen Theologen des 18. u. 19. Jahrh. gaben die kirchliche Lehre von der Dreiheit göttlicher Personen in göttlicher Einheit auf, trennten sich zum Theil auch von der neutestamentlichen Lehre u. bezogen die göttliche Trias auf drei Kräfte in Gott od. auf drei ewige von einander verschiedene Handlungen in Gott etc.; od. sie fanden, wie z.B. Löffler, Jerusalem, Henke, Eckermann, Wegscheider u. A. darin nur eine mit dem Christenthum zufällig verbundene u. darum antiquirte Zeitvorstellung. In der Gegenwart hat dieses Dogma bes. durch Liebner in seiner Dogmatik eine tief eingehende Behandlung erfahren, indem er den trinitarischen Theismus des Christenthums festzuhalten u. zu begründen suchte, nachdem früher Nitzsch u. Lücke über die immanente Wesenstrinität od. die trinitarische Selbstunterscheidung Schriften mit einander gewechselt hatten. Eine göttliche Trias statuirte schon der Mythus der Ägyptier (Kneph Weltgeist, Phtha Urlicht, Neïth Weisheit), der Bramaismus (Brama, Wischnu, Schiwen, s. Trimurti), Platon (Güte, Weisheit, Allmacht, od. Urgutes, Verstand, Seele als drei Hypostasen im göttlichen Wesen) u. die rabbinische Kabbala (drei Sephiroth: Krone, Weisheit, [835] Verstand). Vgl. G. A. Meier, Die Lehre von der T., Hamb. 1844; F. Chr. Baur, Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit, Tüb. 1841–43, 3 Thle.; Zukrigl, Wissenschaftliche Rechtfertigung der Trinitätslehre, 1846; Oischinger, Die Einheitslehre der göttlichen T., Münch. 1862.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 834-836.
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