Laute [2]

[173] Laute (ital. Liuto), ein Saiteninstrument, der Form nach einer Schildkröte ähnlich, deren hohler Theil (Decke) aus dünnen Streifen von hartem Holz zusammengesetzt ist; sie läuft mit dem darübergelegten flachen Resonanzboden nach dem Halse oval zu. Der Hals, worauf das ziemlich breite Griffbret angebracht ist, ist lang u. endet in zwei übereinanderstehenden Wirbelkästen. Auf dem Griffbrete sind die Entfernungen der halben Töne durch Bünde, früher durch darüber gebundene Stückchen Darmsaiten, später durch eingelegte Metall- od. Beinstäbchen, angegeben. Die L. ist mit 24 Darmsaiten bezogen, wovon die tieferen mit Draht übersponnen sind. Sämmtliche Saiten sind in dem am unteren Ende des Resonanzbodens befindlichen Seitenfessel befestigt u. in 13 Chöre getheilt, wovon die tieferen zweichörig, die beiden höheren aber vierchörig sind. Am oberen Theile des Griffbretes ist der Sattel angebracht, über welchen aber 14 Saiten in den unteren Wirbelkasten laufen, welche mit der linken Hand gegriffen u. mit den Fingerspitzen der rechten Hand angeschlagen werden. Die übrigen 10 Saiten laufen neben den ersten, bei dem Sattel u. ersten Wirbelkasten vorbei u. in den darüber befindlichen zweiten. Sie dienen, da sie nicht angegriffen werden können, zur Grundstimme u. werden bei jedem neuen Stück nach Erfordern umgestimmt. Der Spieler (Lautenist) nimmt das Instrument unter den rechten Arm, mit welchem er es auch hält od., wenn es mit einem Bande über der Schulter befestigt ist, blos unterstützt. Das Notensystem der L. u. ihrer Gattungen, der Theorbe, Mandorbe, Gallichon etc. weicht von dem der übrigen Instrumente ab. Es besteht in einem System von sechs Linien, worauf man die Buchstaben des Alphabets, welche den Bünden entsprechen, u. nur über die sechste Linie, des Taktes u. der Eintheilung wegen, Noten schreibt. Jeder halbe Ton od. Bund bekommt statt der gewöhnlichen Notenzeichen einen Buchstaben aus dem Alphabet, der erste Bund heißt allemal b, der zweite c u.s.f. Jede bloße Saite heißt a. Unter sechs Notenlinien setzt man noch Ziffern für die Baßsaiten. Wenn nun z.B. auf der vierten Linie des Lautensystems die Buchstaben a b c d e f g h i k l m n ständen, so würden es nach dem gewöhnlichen Notensysteme die Töne a b h c c d ♯ d e f♯ f g ♯ g a sein. Vgl. E. G. Baron, Historisch-theoretisch-praktische Untersuchung der L., Nürnb. 1727.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 173.
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