Lebensbaum

[190] Lebensbaum, 1) (Baum des Lebens), Baum, dessen Früchte dem Genießenden Unsterblichkeit verleihen; ein solcher Baum war schon im Paradies (s.u. Adam); im Parsismus heißt er Hom (s.d.), bei den Neupersern u. Arabern Tuba (s.d.); bei den Griechen spielt der Lotos (s.d.) dessen Rolle; 2) die Pflanzengattung Thuja; bes. Gemeiner (Abendländischer) L., Th. occidentalis, Baum, 40–50 Fuß hoch, 1–2 Fuß stark, in Nordamerika, Sibirien u. Deutschland; wächst langsam, Rinde hell kastanienbraun, an alten Stämmen aufgesprungen; an den flach ausgebreiteten Ästen stehen wieder kleine Ästchen, welche wie zweireihig doppelt gefiedert, Anfangs flach zusammengedrückt u. wie gegliedert sind, dicht mit den sich kreuzenden, kleinen, schuppenförmigen, an der Spitze mit einer Drüse versehenen Blättchen besetzt. Die Blüthen erscheinen im Mai an den Spitzen der Zweige; die 1/2 Zoll langen, rostfarbigen Samenzäpfchen enthalten unter jeder Schuppe zwei lanzettförmige, am Rande geflügelte rostgelbe Nüsse, welche noch im Herbst abfliegen. Die Vermehrung geschieht durch Samen, Ableger u. Stecklinge; der Baum liebt warmen fruchtbaren Boden. Das Holz ist gelbröthlich, seinlangsaserig, leicht, fest, zähe, im Wasser, bes. im Freien, als Bau- u. Werkholz so dauerhaft, daß es fast für unverweslich gehalten wird; nimmt auch Politur an. Die Besen, von den Zweigen gemacht, lassen einen angenehmen, harzöligen. Geruch nach dem Kehren lange zurück; die Zweige werden auch zu guten braunen u. gelben Farben angewandt. Ehemals Blätter u. Holz (Folia u. Lignum arboris vitae) als schweißtreibend officinell. Der Orientalische L. (Th. orientalis) hat senkrecht ausgebreitete Äste. Beide werden auch in Todtenkränze gebunden; vgl. Thuja. 3) (Arbor vitae), s.u. Gehirn I. B), u. L. der Gebärmutter (Palmae plicatae), s.u. Genitalien B) b) bb).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 190.
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