Steinöl

[746] Steinöl (Erdöl, Bergöl, Paraffinöl, Petroleum, Kerosine, Kohlenöl, Coal-oil), flüchtiges, leicht entzündliches Öl, welches an vielen Orten aus dem Erdboden meist mit Wasser hervorquillt, auch aus den Rissen u. Spalten von Kalkstein, bes. in der Nähe von Kohlenlagern, auch in Steinkohlenwerken ausschwitzt. Am häufigsten wird es in Asien gefunden, bes. in Persien am Kaspischen Meere bei Baku; man gräbt dort Brunnen von 30 Fuß Tiefe, in denen sich das S. nach u. nach ansammelt u. dann ausgeschöpft wird; an einigen Stellen strömt der Dampf in solcher Menge aus, daß er sich entzünden läßt, u. einige dieser Ausströmungen brennen schon seit Jahrhunderten als die heiligen Flammen der Feueranbeter; im Lande der Birmanen sind 500 Erdölquellen in Betrieb; ferner findet es sich am Todten Meere, im Jordanthal, in Galizien, in der Nähe von Parma, bei. Tegernsee in Baiern, bei Neufchatel in der Schweiz, an mehren Orten in Braunschweig u. Hannover. Vor einigen Jahren sind in Nordamerika Steinölquellen entdeckt worden, welche an Ergiebigkeit alle übrigen bei weitem übertreffen, namentlich in Pennsylvanien an dem sogenannten Ölbache, welcher von Titusville nach der Bil-City geht u. sich dann in den Alleghanyfluß ergießt, u. in Obercanada bei Blac-Crak (Enniskillen). In Pennsylvanien sind es Artesische Brunnen, aus denen das Öl fließt u. welche wöchentlich 200,000 preußische Eimer liefern; die in dem Thal liegengenden bedeutenden Ölstädte sind Bil-City, MClintockville, Rouseville u. Titusville; man beabsichtigt das Öl auf eine Strecke von 40 englischen Meilen, von den Ölbrunnen nach Kittanning in Röhren fortzuleiten, um es von da nach New York zu schaffen. In Canada hat man Brunnen von 30–60 Fuß Tiefe in den Sand gegraben u. selbst den Felsen 40–200 Fuß tief angebohrt, manche Brunnen geben 20–30,000 Quart Öl u. wenn sie ausgeschöpft sind, füllen sie sich in kurzer Zeit wieder u. fließen über. Das rohe S. ist ein Gemisch verschiedener flüchtiger Öle; bei der Destillation mit Wasser erhält man ein farbloses Öl-(raffinirtes S.) von schwachem, nicht unangenehmem Geruch u. von 0,82 bis 0,82 specifischem Gewicht; als Rückstand bleibt eine erdharzige paraffinhaltige Masse zurück. Es dient vorzugsweise zur Beleuchtung u. brennt in bes. dazu construirten Lampen mit reiner weißer Flamme, als Auflösungsmittel für fette Körper, Harze, Pech, Kautschuk etc., zur Bereitung von Firnissen, als Arzneimittel, auch stellt man Benzin daraus dar. Das rohe S. ist sehr feuergefährlich u. daher von einigen Seetransportgesellschaften u. Eisenbahnen vom Transport ausgeschlossen; deshalb wird es in Amerika selbst durch Destillation von den flüchtigsten Stoffen befreit u. so in den Handel gebracht. Als Naphtha unterscheidet man das sehr flüssige, farblose, als Bergtheer das zähflüssige, gelblich- bis schwärzlichbraune S., letzter findet sich in Schweden, wird an der Luft zu Erdpech; vgl. Asphalt, Bitumen, Erdöl u. Naphtha.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 746.
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