Strigel

[927] Strigel, Victorin, geb. 26. Dec. 1514 in Kaufbeuern, studirte seit 1538 zu Freiburg im Breisgan Theologie u. Philosophie u. seit 1542 in Wittenberg, wo er sich eng an Melanchthon anschloß u. seit 1544 theologische u. philosophische Collegia las; 1547 verließ er Wittenberg u. wendete sich erst nach Magdeburg, dann nach Erfurt, wo er seine Vorlesungen fortsetzte; 1548 wurde er Professor der Theologie in Jena u. neigte sich hier auf die Seite der strengen Lutheraner, gleichwohl war er für Flacius nicht entschieden genug in den Synergistischen Streitigkeiten, u. als er sich 1559 für Melanchthons, von Luther gebilligte Auffassung entschied, wurde er am 25. März verhaftet u. nach Gotha abgeführt, indeß im August wieder entlassen, mußte sich aber still in Jena verhalten; nach dem Sturze der Flacianischen Partei wurde er im Mai 1562 wieder in sein Amt eingesetzt. Da aber die Streitigkeiten von Neuem begannen, verließ S. im Herbst 1562 Jena u. ging nach Leipzig, wo er Professor wurde u. bes. über Dogmatik u. Ethik las. Hier wurde ihm wegen seines Kryptocalvinismus im Februar 1567 das Auditorium geschlossen, worauf er einem Ruf als Professor der Ethik nach Heidelberg folgte, wo er 26. Juni 1569 starb. Er schr.: Hypomnemata in [927] omnes libros Novi Test., Lpz. 1565, 2 Bde., u.ö.; Loci theologici, herausgegeben von Pezel, Neust. a. d.h. 1581–84, 4 Thle.; Hypomnemata in epitomen philosophiae moralis Melanchthonis, herausgegeben von demselben, 1582; Vgl. Joh. Karl Th. Otto, De Vict. Strigelio, liberioris mentis in ecclesia Lutheria vindice, Jena 1843.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 927-928.
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