Schulze, Johann Peter

[874] Schulze (Oldenburg). Der Begründer der Schulzeschen Hofbuchhandlung in Oldenburg, Johann Peter Schulze, wurde als Schullehrersohn am 9. Januar 1768 zu Teschendorf bei Wittingen unweit Celle geboren. Er genoß eine ausgezeichnete Schulbildung, die er auf der Universität Göttingen vervollständigte, um demnächst die Predigerlaufbahn einzuschlagen. Er versuchte sich auch als Hauslehrer, was ihm aber auf die Dauer nicht zusagte. Seine Teilnahme und das Interesse an einem kleinen literarischen Zirkel, der sich unter dem Namen der »Gumaner Gesellschaft« in Oldenburg gebildet hatte, brachte ihn auf die Idee, eine Buchhandlung zu errichten. Er führte diesen Gedanken im Jahre 1800 aus und vergrößerte 1804 sein Geschäft durch Angliederung einer Druckerei.

Die Geschäftsverhältnisse gestalteten sich so glücklich, daß der Besitzer bald in der Lage war, ihm durch fürstliche Gnade unter günstigen Bedingungen vorgeschossene Kapital nach und nach zurückerstatten zu können. Durch sein am 14. November 1827 erfolgtes Ableben wurde er einem segensreichen Wirkungskreise entzogen.

Der für damalige Zeit ziemlich Verlag, der sich unter Schulzes umsichtiger Geschäftstätigkeit bald gesund entwickelte, schlug seine Wurzeln zunächst in eng vaterländischen Boden, dem auch bald die von Gramberg und v. Halem herausgegebene »Oldenburgische Zeitschrift« entschloß. Dabei wurden Pädagogik, Philologie, Theologie, Jurisprudenz und schöne Wissenschaften mit Vorliebe gepflegt, so daß die Verlagsrichtung bald eine auch über die Grenzen Oldenburgs hinausgehende allgemeine wurde. Recht störend griff[874] 1811-13 französische Okkupation in die Geschäftsverhältnisse ein und Schulze benutzte die ihm durch die Geschäftsstockung auferlegte unfreiwillige Muße zum Studium der Chemie. Auch beschäftigte er sich mit der Holzschneidekunst und brachte es in derselben so weit, daß er Figuren zu einem naturhistorischen Buche schneiden konnte. Die Figuren zu den in seinem Verlage erschienenen Brandesschen Lehrbüchern sind von ihm sogar in Kupfer gestochen. Als hervoragende Autoren seines Verlags mögen hier Brandes, Gramberg, v. Halem, Kruse, Runde und Schaffer genannt sein. Im Jahre 1809 schrieb er selbst, ohne seinen Namen zu nennen, eine Schrift, betitelt: »Ist die Wiedervereinigung der beiden christlichen Hauptpartheien zum Wohl der Christenheit notwendig und welche Folgen würden daraus entstehen?« Dieselbe fand damals viel Anerkennung.

Zwei Jahre nach Schulzes Tode, am 13. Juli 1829, heiratete der am 24. November 1808 in Stralsund geborene Buchhändler Johann Wilhelm Berndt, nachdem er die Buchhandlung und Buchdruckerei übernommen, die Witwe Schulze und führte das Geschäft in musterhafter Weise weiter.

Berndt war ein hervorragend tüchtiger Buchhändler, als Zielbewußter Verleger war er ein feind jeglicher Reklame und ging darin so weit, daß er einen gewissen Stolz darin suchte, womöglich ohne allgemeine Ankündigung seinen Verlag wirksam zu vertreiben. Dabei war er den Preisherabsetzungen und dem sogen. Verramschen seines Verlages sehr abgeneigt. Er legte auch die Grundlage zu dem nautischen Verlage der Firma; dann rief er zunächst durch Hettner mit seinem leider nicht vollendetes Werke »Vorschule zur bildenden Kunst der Alten«, weiter durch das 1840 erschienene vorzügliche Werk »Neapel und die Neapolitaner« von dem Historiker Karl August Mayer und endlich durch die bekannten Werke von Adolf Stahr über Italien die bis zum heutigen Tage mit großer Vorliebe und vielem Erfolg entwickelte Italienliteratur der Firma ins Leben.

Ein ganz bedeutendes Verdienst aber erwarb sich Berndt durch die in Gemeinschaft mit dem ersten Herausgeber, Hauptpfarrer Gröning, im Jahre 1838 ins Leben gerufene Herausgabe des »Volksboten«, eines Volkskalenders, der jetzt bei seiner großen Beliebtheit eine Weltverbreitung erlangt hat. Daß neben dem laufenden Druck der »Oldenburgischen Anzeigen« und anderer amtlicher und privater Druckwerke für die Pressen stets genügend Beschäftigung vorhanden, dafür sorgte der umsichtige Blick des tüchtigen Verlegers.

Nach langjährigem Wirken starb Berndt am 5. November 1877, nachdem er am 1. Oktober 1864 schon seine Geschäfte an seinen[875] am 18. August 1833 geboren Sohn Karl Berndt und seinen Schwiegersohn August Schwartz aus Dortmund, geboren am 29. Mai 1837, käuflich übertragen hatte. Herzog Peter Friedrich Ludwig erhob die Firma anläßlich ihres 75jährigen Geschäftsjubiläums zur »Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei«.

Karl Berndt wurde am 21. Januar 1884 dem Geschäft durch den Tod entrissen und die Handlung ging durch Kauf in den Alleinbesitz von August Schwartz über, der die Geschäfte fortan unter der Firma Schulzesche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei – A. Schwartz – leitete und am 1. Dezember 1893 seinen Sohn Rudolf Schwartz, geboren am 5. November 1865, als Teilhaber in die Firma aufnahm. August Schwartz starb im 67. Lebensjahre am 24. Mai 1904.

Die neuste Seite des Kolonialverlags wurde im Anschluß an den Italienverlag der Firma in den letzten Jahren besonders geschaffen und ausgebildete. Erwähnt mag hier werden, daß die ersten 50 Bilderpostkarten im Jahre 1875 im Verlage der Schulzeschen Hofbuchhandlung erschienen und dadurch die illustrierte Postkarte in 2 Sammlung zuerst als buchhändlerischer Verlagsartikel der Welt zugänglich gemacht wurde.

Wenn die Verlagsrichtung bei Ausschluß bestimmter Fächer und Wissenschaften im allgemeinen auch die alte vielseitige geblieben ist, so wird von den Inhabern doch mit Vorliebe diejenigen Seite bevorzugt und ausgebildet, welche sie beide auf Grund ihres gründlichen philologischen Studiums am meisten beherrschen und am besten zu beurteilen vermögen.

Aus dem reichen Verlage der Firma seien außer den schon genannten Verlagsartikeln erwähnt die Schriften des Marschendichters Hermann Allmers, Friedr. Breier, Heinrich Bulthaupt, Karl Engel, A. Fitger, K. Neumann-Strela, des Landrichters Dr. A. H. Post, Emil Rittershaus, Dr. L, Salomon, Willrath Dreesen, Ludw. Geiger, Eug. Wolff. Dr. E. M. Kronfeld, Eug. Zabel, A. Schwartz. Der im Jahre 1900 ausgegebene Verlagskatalog umfaßt 71 Seiten.

Quellen: Jubiläumsverlagskatalog 1800/1900; Neuer Nekrolog der Deutschen, 1827 S. 945; Strackerjan, Buchdruckereien in Oldenburg, 1840.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 874-876.
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