Bange

1. Bang moaken gelt nich. (Ukermark.)

Lat.: Ne quid moveare verborum strepitu.


2. Bange machen gilt nicht. (Berlin.)


3. Bange mâken gilt nit.Curtze, 337.


4. De bange is, de mutt schildern. (S. 9.)Eichwald, 86.

Holl.: Die bang is, moet schilderen. (Harrebomée, I, 30.)


5. Einem jeden wirt bang gnug, zu schaffen mit dem seinen.Henisch, 184.


6. Ick bün vor tein nich bang, so lang ick allein bün. (Mecklenburg.)

Ich fürchte mich vor zehn nicht, solange ich allein bin.


7. Ik wass nit bange, hadde de Junge sagt, men ik wor1 bange. (Westf.)

1) Wurde.


8. Vam'me Bangemâken sterwet de Katten. Curtze, 337.


9. Wen (wer) bang es, mott Scheldwach stohn. (Meurs.) – Firmenich, I, 402, 154.


*10. Es ist ihm nicht bange, das Herz klopft ihm nur bis in die rechte Wade.

Holl.: Hij is niet bang, maar het hart popelt hem in 't lijf. (Harrebomée, I, 31.)


*11. He es so bang wie en Perd vör en Spent Hawer. (Meurs.) – Firmenich, I, 402, 115.


*12. Ik bün nig bang un waar nig bang. (Holst.)

Ich bin und werde nicht furchtsam. – So sagt man sprichwörtlich zu einem, der sich für herzhaft ausgibt, ohne es zu sein, nach einem plattdeutschen Volksmärchen, worin ein Bauer, der für herzhaft galt und daher Waghals genannt ward, obigen Wahlspruch im Munde führte. Einst aber ward er zu einer Bauernfamilie gerufen, die in Todesängsten war, weil sie ein rauches, weissgraues Thier am Boden ihrer Scheunendiele hängen sah. Hans Waghals kam und sprach sein Motto, eine Pike in der Hand. Alle riefen ihm zu: »Waghals stik.« (Erstich das Thier.) Kaum aber sah er das Thier, so entfiel ihm die Pike und der Reim: »Weerst du so bang as ik, sullst du nig seggen: Waghals stik.« Es zeigte sich, dass das Thier ein mit Schimmel überzogener Schweinsmagen war; Waghals verlor seinen Heldenruf und ward mit seinem Wahlspruch zum Sprichwort.


*13. 'S is em bange, as hing a am Strange.Gomolcke, 984; Robinson, 680.


*14. 'S is em su bange, a möchte Enderle hecken.Gomolcke, 985; Robinson, 239.


*15. So bange äs Earwten1 im Potte. (Westf.)

1) Erbsen.


*16. So bange äs ne Hitte1. (Westf.)

1) Ziege.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu15.

Dän.: Bange som en bonde i et harnisk. (Prov. dan., 91.)


17. Diar bângh as, sleapt bi1 Woch. (Nordfr.)

Wer sich fürchtet, schläft an der Wand.

1) In der Föhringer Mundart des Nordfriesischen verdrängt die Präposition namentlich in adverbialen Ausdrücken sehr oft den Artikel, und steht wie hier unmittelbar vor dem Substantiv. (Vgl. Johannsen, S. 70.)


18. Wem bange ist, den beisst der Teufel.

Bei Tunnicius (15): Dem leide is, den bit de duvel. (Rustice quid metuis? crescunt inimica timore.)


*19. Er hat Bange vor einem nassen Jahre.

D.h. vor tüchtigem Schelten oder einer Tracht Prügel.


*20. Hä es esu bang wie 'nen Essel, dem der Sack enfällt. (Bedburg.)


*21. Hä ess bang vör er âl Mang.1 (Köln.) – Firmenich, I, 474, 125.

1) Vor einem alten Korbe.


*22. He is bang, dat sin Lüüs en Snöv kriegt. (Hamburg.) – Schütze, III, 65.

Er ängstet sich, dass seine Läuse den Schnupfen bekommen könnten. Wenn sich jemand unzeitig den Kopf bedeckt.


*23. He is bang för en doden Kiwitt.Kiel, 27.

Ist sehr furchtsam und feig.


*24. Ich ben bang, de Trunenkeet e Loch en. (Bedburg.)


*25. Mer woar su bange, doss m'r olle Hoare zu Barge schtunden. (Schles.) – Frommann, III, 245, 130.

*26. Vam 'me Bange mâken sterwet de Katten. Curtze, 337, 288.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Reuter, Christian

L'Honnête Femme oder Die Ehrliche Frau zu Plißine

L'Honnête Femme oder Die Ehrliche Frau zu Plißine

Nachdem Christian Reuter 1694 von seiner Vermieterin auf die Straße gesetzt wird weil er die Miete nicht bezahlt hat, schreibt er eine Karikatur über den kleinbürgerlichen Lebensstil der Wirtin vom »Göldenen Maulaffen«, die einen Studenten vor die Tür setzt, der seine Miete nicht bezahlt.

40 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon