Kleien (Subst.)

Kleien (Subst.).


1. Der sich willig mischt vnder kleyen, fressen d sew.Franck, I, 73b.


2. Gibt's auch Kleien? fragte die Sau, als sie beim Löwen zu Gast war.Eiselein, 381; Hoefer, 869; Simrock, 5735.


3. Je besser die Kleien, je besser das Mehl.

Die Russen: Wer die Kleien schilt, lästert das Mehl. (Altmann VI, 430.)


4. Kleien und Hundsmark gehören zusammen in ein Gebäck.


5. Mancher gibt (hält) Kleie für Mehl.

Engl.: Fancy may bolt bran, and think it flour. (Bohn II, 92.)


6. Sind auch Kleien da? grunzte die Sau, als Jupiter sie zu Gast laden liess.Reinsberg III, 60.

»Die Welt thut wie die Sau in den alten Fabeln, da sie der Jupiter liess zu Gaste laden und seine Himmelspeise rühmen; da warff sie den Rüssel auff und sprach: Sind auch Kleyen da?« (Herberger, Herzpostille.)


7. Viel Kleien machen einen Haufen Krüsch und viel Nichtsnutze ein Kloster.Klosterspiegel, 15, 15.


8. Viel Kleien, (und) wenig Mehl.Reinsberg IV, 77.

Engl.: Much bran and little meal. (Bohn II, 47.) – Much bruit, little fruit. (Gaal, 686.)

It.: Molti pampini, e poc' uva. (Gaal, 686.)

Port.: Muito fallar, pouco saber. (Bohn II, 74.)


9. Von Kleien wachsen die Sew, werden aber nit fett dauon.Petri, II, 579; Simrock, 5736.


10. Von Kleyen wassen de Schwyne, averst se werden nig fett.Körte, 3439.


11. Wä sich möschd onner de Kleien, wörd gefräss voan de Seien. (Trier.) – Laven, 194, 123; für Franken: Frommann, VI, 318, 229; hochdeutsch bei Simrock, 5734.


12. Wä sich onger de Kleie misch, dä wird van de Färke frässe. (Düren.) – Firmenich, I, 483, 38; für Aachen: Firmenich, I, 494, 156; für Steiermark: Firmenich, II, 765, 24; für Niederösterreich: Frommann, III, 390, 9; für Köln: Weyden, III, 12; für Schwaben: Nefflen, 469.


13. Wer Kleien als Almosen vertheilt, dem wird's ein Windstoss auf dem Serát vergelten. Burckhardt, 655.

Serát ist die schmale Brücke, auf welcher die Moslemim über den Höllenschlund nach dem Eingange des Paradieses gehen.


14. Wer Kleien knetet, wird keine Semmeln backen.Reinsberg VII, 91.


15. Wer sich vnder die kleien mengt, den fressen die sew gern.Franck, I, 145a; II, 59a; Tappius, 64a; Egenolff, 333b; Petri, II, 764; Gruter, I, 83; III, 111; Henisch, 1214, 67; Schottel, 1115b; Lehmann, II, 878, 244; Froschm., k; Gaal, 1021; Sailer, 159; Eiselein, 381; Mayer, I, 177; Günther, 46; Siebenkees, 142; Körte, 3438; Braun, I, 1851; Reinsberg III, 146.

Die Araber: Wer sich zu Kleie macht', den zertreten die Hühner. Die Russen: Wer sich ins Heu legt, an dem rupfen die Gäule. (Altmann VI, 505.) Sei Thon, und man wird dich kneten. Die Albaner: Mache dich nicht zur Brücke und zum Stege, damit Gute und Böse darübergehen. (Reinsberg III, 145 u. 146.) Die Neugriechen: Wer sich mit Kleien befasst, den picken die Hühner an. – Die schwächste Kraft richtet den zu Grunde [1384] der sich selbst wegwirft. »Drumb meng dich nit vnter die Kleyen, du wirst sonst gfressen von den Sewen.« (Eyering, I, 117.) Theophilus (Ausgabe von Hoffmann von Fallersleben) V. 428: »We sik menget mank dem ate (Schweinefutter), dei wert den sogen gerne to vrate.« »Wer sich menget unter die Kleyen wird auch gefressen von den Sewen.« (Froschm., K.) »Mischt du dich in kleien, dich fressen die seu.« (Fastnachtspiel, 527, 6.) Im 14. Jahrhundert lautete dies Sprichwort nach der Grazer Handschrift: »Wer sich unter die klîgen mischet, den essent die swin.« (Müller, Mittelhochdeutsches Wörterbuch.)

Mhd.: Swer sich menget under die klîen, den ezzent diu swîn under dem brîen. (Morolf.) – Wer sich gerne mischet vnter die kleyn, den essent die säw mit dem prein. (Vintler.) (Zingerle, 136.)

Böhm.: Kdo léhá mezi otruby, přicházi svini pod zuby. – Kdo se mezi plévy míchá, svinĕ ho snĕdí. (Čelakovsky, 40.)

Frz.: Qui se fait brebis, le loup le mange.

Krain.: Kdor se med otrobe méša, ga svinje snedó. (Čelakovsky, 40.)

Kroat.: Koi se med poseje méša, svinje ga pojedu. (Čelakovsky, 40.)

Lat.: Conditus in palea a stupido comedetur asello. (Binder I, 209; II, 542; Philippi, I, 88.) – Für fure se miscens porcorum dentibus estur. (Eiselein, 381; Gaal, 1021; Binder I, 606; II, 1222; Seybold, 82 u. 197.)

Poln.: Kto siẹ s plewami zmiesza, tego świnie zjezdą. (Čelakovsky, 40.)

Slow.: Kdor se med otrobe meša, ga svinjĕ snedó.

Ung.: Ki magát a korpa közé keveri, meg eszi a disznó. (Gaal, 1021.)


16. Wier sich än de Kläe mäinjt, die frîessen de Schwéinj. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 156.


*17. Das gibt mehr Kleien als Mehl, wenn's mühlet.Eiselein, 381; Braun, I, 1880.


*18. Die Kleie sieben und das Mehl verlieren.


*19. Die Kleien heimtragen müssen. (Bolkenhain in Schlesien.)

Von demjenigen Mädchen gesagt, das bei Tanzvergnügungen keine Aufforderungen erhalten hat, sondern sich hat am Zuschauen begnügen müssen.


*20. Die Kleien sparen und das Mehl verschütten.

Frz.: Avare pour le son, prodigue pour la farine. (Cahier, 162.)


*21. Es sind Kleien darunter.

»Ob sie obseruantzer seyen, oder kern gemischt mit kleyen, ich habs versucht alle beid.« (Murner, Nb., 57, in Kloster, IV, 786.)


*22. 'S mêld of a Klaia mîd'm. (Oesterr.–.Schles.) – Peter, 449.

Es geht mit ihm (oder damit) zu Ende. Man hat dort, um diesen Gedanken auszusprechen, auch noch die Redensarten: A îs of d'r Näje. A hot's of d'r Scheppe. (S. Schippe.) A hôt d' Kue oach nôch beim Schwanze.


[Zusätze und Ergänzungen]

*23. Di stuft de clighe ut der nesen.

Clighe, mhd. klîe, klîwe. »Dir stäubt aus der Nase die Kleie noch! Sicherlich bist du ein Bäcker doch.« (Freybe, Redentiner Spiel, 1345.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
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