1. Drei vertragen sich selten zusammen: eine breite Landstrasse, ein schiffbarer Strom und ein mächtiger Herr; der letztere sucht die Herrschaft über die beiden ersten.
2. Lern vertragen ohne klagen, kannst nur vertragen, als man dich thut jagen. – Zinkgref, IV, 391.
3. Sich vertragen ist besser als zanken und richten.
4. Vertrag, leid vnd meid. – Henisch, 712, 13.
5. Vertragen macht offt, dass einer einem schuldig wird, dass er nicht schuldig ist. – Lehmann, 784, 41.
6. Vertragen muss, der lehrnen wil, der wiederumb gewinnen wil.
Lat.: Disce pati, si uis uictorum tu fore ciuis. (Loci comm., 154.)
7. Wenn wi söck verdräge, find wi söck nich mehr. (Dönhofstädt.)
8. Wer am meisten vertragen kann, ist der stärkste Mann.
Holl.: Die meest verdraagt, is de sterkste. (Harrebomée, II, 305a.)
9. Wer nichts vertragen kann, muss nicht Kaufmann werden.
10. Wer nichts vertragen kann, soll aus der Welt 'nausgahn.
Aber Leute, die in Gesellschaften alles vertragen, sind darin ebenso untauglich, als die, welche nichts vertragen können.
Lat.: Qui nil ferre potest, hominum commercia vitet, et saevis degat sylvis aut montibus altis. (Sutor, 139.)
11. Wer vertrug, hat genug. – Körte, 6789.
12. Wo sik twei vertreaget, doa heat de drüdde niks te seggen. (Westf.)
*13. Dat is'n Verdrag1 as Ûln un Krein. (Altmark.) – Danneil, 276.
1) Die vertragen sich wie Eulen und Krähen.
*14. Die können sich vertragen wie Speck, Ratzen und Katzen. (Iserlohn.)
[1614] *15. Er kann viel vertragen, er hat einen ausgepichten Magen. – Mayer, II, 47.
*16. Er kann's nicht vertragen, dass die Sonne ins Wasser scheint.
Dän.: Hand kand ikke taale at solen skin i vand. (Prov. dan., 541.)
*17. Möt dem verdräg öck mi öm Sack. (Dönhofstädt.)
*18. Se verdrägt sik as Solt un sêre Ogen. – Eichwald, 1786.
Salz in wunden, kranken Augen.
Holl.: Zij verdragen elkander als twee hoofden onder ééne monniks kap. (Harrebomée I, 381a.)
*19. Sei verdrägt sick oss Katten un Hunne. (Paderborn.) – Firmenich, I, 362, 4.
Während des Kriegs gegen Dänemark im Frühjahr 1864 erschien in Holstein eine Caricatur mit der Unterschrift: »Personal-Unionswappen«, die auf rothem Felde eine dänische Dogge mit einer an ein weisses Kreuz gebundenen Katze zeigte, die sich gegenseitig anfletschten; und darunter den Vers: »Es soll dir dieses Wappen sagen: Wie Hund und Katze sich vertragen, so Schleswig-Holstein stammverwandt mit Hannemann im Staatsverband.« (Schles. Morgenblatt, 1864, 92.)
*20. Sei vertrugen sich wie Feuer und Wasser. (Warschau.)
In dem Sinne wie: sie vertragen sich wie Hund und Katze, besonders von einem zänkischen Ehepaar.
*21. Sie vertragen sich, als wenn Hund und Katze zur Kirmes gehen.
Dän.: De forliges som hunde og katte. (Prov. dan., 180.)
*22. Sie vertragen sich wie die Schusterahlen im Sack.
Poln.: Ugadzajcą się jak szydla w worze. (Čelakovsky, 552.)
*23. Sie vertragen sich wie ein paar Kaninchen. – Hermes, VI, 416.
*24. Sie vertragen sich wie Hund und Katze. – Eiselein, 369; Moscherosch, 343; Frischbier2, 3918; für Oberösterreich: Baumgarten, 80.
Holl.: Verdraagt u als katten en honden behooren te doen. (Harrebomée, I, 388b.)
*25. Sie vertragen sich wie Katze und Maus. – Eiselein, 369.
26. Wer vertrug, der hatte genug; wer rach, dem gebrach; wer schweigt, der bleibt; Gott richt, da niemand spricht. – Herberger, I, 810.
*27. Sie vertragen sich wie Pilatus und Herodes. – Nigrinus, Inquisition, 350.
Buchempfehlung
Grabbe zeigt Hannibal nicht als großen Helden, der im sinnhaften Verlauf der Geschichte eine höhere Bestimmung erfüllt, sondern als einfachen Menschen, der Gegenstand der Geschehnisse ist und ihnen schließlich zum Opfer fällt. »Der Dichter ist vorzugsweise verpflichtet, den wahren Geist der Geschichte zu enträtseln. Solange er diesen nicht verletzt, kommt es bei ihm auf eine wörtliche historische Treue nicht an.« C.D.G.
68 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.
424 Seiten, 19.80 Euro