Der Mensural-Gesang

[120] Der Mensural-Gesang, ist derjenige Gesang, wo jeder Ton vermittelst des Takts in einem gewissen Zeitraum aufs genaueste beobachtet wird. Der alte Mensural-Gesang, welcher bis zur Erfindung des neuen von Griechen und Römern gebraucht worden, enthält bloß die zwei Arten von Zeitgrößen, eine lange und eine kurze, so, daß jede lange Sylbe ohne Unterschied gerade noch einmahl so viel gilt als die kurze. Wie diese kurzen oder langen Sylben bezeichnet werden, darüber sind alle näheren Nachrichten verloren [120] gegangen, ungeachtet es nur erst fünfthalb hundert Jahr sind, daß der neue Mensural-Gesang mit dem Ursprung der Noten oder Tonzeichen, wodurch zugleich der Werth und die Höhe der Töne angegeben wird, seinen Anfang genommen hat; dieser, welcher insgemein der Figural-Gesang geneunt wird, enthält sowohl von den langen als kurzen Zeiten wieder mehrere Untergattungen.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 120-121.
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