Gessner

[210] Gessner (Salomon), geb. zu Zürich 1730, hat sich sowol als Dichter wie als Maler bekannt gemacht. Auf der Schule in Zürich zeigte er wenige Anlagen, sodaß man ihm nur sehr geringe Verstandeskraft zutraute; doch holte er das hier Versäumte bald nach, nachdem er einem gebildeten Geistlichen zu Erziehung und Unterricht übergeben worden war. Sein Vater, ein angesehener Buchhändler, wollte, daß sein Sohn demselben Beruf sich widmen sollte und schickte ihn zu diesem Zwecke 1749 nach Berlin. Der junge G. gab jedoch den Buchhandel auf und da ihm demzufolge die älterlichen Unterstützungen vorenthalten wurden, so suchte er sich durch Landschaftsmalerei zu erhalten. Schon früher hatte er sich auch mit der Poesie beschäftigt, und nachdem er in seine Vaterstadt zurückgekehrt war, erschienen von ihm 1751 die ersten Gedichte. G. hat sich vorzüglich mit idyllischer Poesie (Schäfergedichten) beschäftigt und sich durch eine höchst zarte und anmuthige Sprache ausgezeichnet. Eine Übersetzung seiner Gedichte ins Französische erregte in Frankreich ungemeines Aufsehen, und von hier aus verbreitete sich G.'s Ruf über Europa. Später gab G. die Poesie auf, indem er sich allein mit Landschaftsmalerei beschäftigte, in welcher er Ausgezeichnetes leistete. Als Maler wie als Dichter zeichnete sich G. durch eine innige Naturempfindung aus, doch hat er es in der Malerei zu höherer Vollendung als in der Dichtkunst gebracht. Er führte ein stilles glückliches Familienleben und wurde von seinen Mitbürgern so geehrt, daß sie ihn in den Rath aufnahmen, als er kaum das gesetzmäßige Alter erreicht hatte, und ihm nach seinem 1787 erfolgten Tode ein Denkmal auf einer Promenade an der Limmat errichteten

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 210-211.
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