Judenpech

[515] Judenpech, Asphalt, Erdharz, Erdpech, Bergpech ist ein mineralisches Harz von braunschwarzer Farbe, welches feste, im Bruche muschelige, undurchsichtige, glänzende, eigenthümlich harzig (bituminös) riechende Stücken bildet, welche wenig schwerer als Wasser sind, bei der Temperatur des siedenden Wassers schmelzen und mit einer rußigen Flamme verbrennen. Im absoluten Weingeist wird ein Theil aufgelöst, welcher nach Abdampfung des Weingeistes als ein gelbes klebriges Harz erscheint. Man findet das Judenpech (welches von diesem Umstande auch den Namen erhalten hat) vorzüglich auf dem todten Meere, dessen Wasser sehr salzig und daher schwerer als reines Wasser ist, daher die Harzstücken auf ihm schwimmen und am Ufer aufgefischt werden. Außer diesem festen Erdharz findet man aber auch noch ein flüssiges oder weiches, welches auch Bergtheer genannt wird und als eine Auflösung von Asphalt in Steinöl (s.d.) zu betrachten ist. Der Bergtheer hat eine schwärzliche Farbe und bildet in gewöhnlicher Temperatur eine dickflüssige, auf dem Wasser schwimmende, in Oelen lösliche Masse, welche wie Asphalt riecht und auch mit rußiger Flamme brennt. Man findet ihn vorzüglich zu Lobsan und an andern Orten in Frankreich. Auch in Griechenland, türk. Albanien, Dalmatien, Galizien, bei Genf in der Schweiz, Barbados u.s.w. wird er gewonnen. Das Judenpech wurde von den Babyloniern als Mörtel benutzt und die Ägypter sollen es bei der Einbalsamirung der Leichen angewendet haben. Jetzt bedient man sich desselben in der Ölmalerei zu einer braunschwarzen Farbe und die Kupferstecher nehmen es zum Deckgrunde. Es gibt ferner einen Zusatz zum schwarzen Firniß und wird zu verschiedenen Arten von Kitt, sowie zum schwarzen Siegellack verwendet. Aus dem Bergtheer bereitet man den Erdharzkitt und benutzt jenen auch zum Theeren der Schiffe, der Taue und des Segeltuchs. In neuerer Zeit hat man besonders in Frankreich und England den Asphalt zur Herstellung eines sehr haltbaren, reinlichen und bequemen Straßenpflasters, namentlich für Fußgänger, benutzt.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 515.
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