Stimmung

[303] Stimmung nennt man in der Musik die nach einem gewissen festen Tone, dem Stimmtone, geschehene Regulirung der Tone eines Instruments, sodaß dieselben in den gehörigen Intervallen gehalten sind; bei einem ganzen Orchester die auf den Stimmton basirte Übereinstimmung aller zu demselben gehörenden Instrumente. In früherer Zeit nahm man an, daß zur Aufführung von Kirchenmusiken der größern Räumlichkeit wegen und um besser durchzudringen, die Stimmung um einen Ton höher stehen müsse als bei der Kammermusik (vergl. Musik), und man unterschied demnach den Chorton von dem Kammerton. Gegenwärtig pflegt man sich nur Einer Stimmung zu bedienen. Man nimmt gewöhnlich als Stimmton den Ton A an und bedient sich zum Festhalten dieses Tons eines eignen Instruments, der Stimmgabel. Dieselbe besteht aus einem gabelförmig gearbeiteten Stück Stahl, mit zwei langen Zinken und einem Stiel. Schlägt man mit einem Zinken dieser Gabel auf einen festen Körper und stellt sie dann schnell mit dem Stiel auf die angeschlagene Stelle, so gibt sie in Folge der Erzitterung aller ihrer Theile den ihr eigenthümlichen Ton an. Man unterscheidet je nach diesem Tone AGabeln und CGabeln. Orgelstimmer bedienen sich zum Stimmen des offenen Pfeifenwerks eines trichterförmigen Instruments, welches Stimmhorn heißt und in die Öffnung der zu stimmenden Pfeife gesteckt wird. Da die Stimmung der Orchester an den verschiedenen Orten immer noch um ein Weniges verschieden ist, so spricht man von einer wiener, dresdner, leipziger u.s.w. Stimmung. Früher bediente man sich statt der Stimmgabeln hölzerner Pfeifen, Stimmpfeifen, deren Stöpsel nach angemerkten Graden mehr oder weniger tief eingeschoben werden konnte, sodaß man mit ihnen jeden beliebigen Ton einer Octave zu erzeugen vermochte. Da aber das Holz den Einflüssen der Temperatur und Feuchtigkeit ausgesetzt ist und überdies der Ton von der Stärke, mit welcher die Luft in die Pfeife geblasen wird, abhängt, so sind die Stimmpfeifen außer Gebrauch gekommen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 303.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: