Verschleimung

[596] Verschleimung und Schleimsucht wird ein Krankheitszustand genannt, bei welchem eine übermäßige Absonderung der Schleimhäute in Mund, Nase, Rachen, Lungen, Magen und Gedärmen stattfindet. Er beruht auf unkräftiger, wässeriger Beschaffenheit des Blutes und bringt Ermattung der Muskelkräfte und selbst der Geistesthätigkeit, ein bleiches und gedunsenes Ansehen, belegte Zunge, Mangel an Eßlust, faden Geschmack im Munde, schleimige Ausleerungen, auch wol Schleimerbrechung des Morgens, aufgetriebenen Unterleib und andere Beschwerden mit sich. Die Schleimsucht ist stets ein langwieriges Leiden und kann Jahre lang ohne sehr auffallende Störungen im körperlichen Befinden eines daran Leidenden dauern. Bei warmer, heiterer und trockener Witterung und angemessen erregender Einwirkung auf Körper und Geist ist Besserung gewöhnlich und ist das Übel nicht zu tief in der körperlichen Verfassung eines Menschen begründet, so kann es auch gänzlich gehoben werden; bei ungünstigen Verhältnissen geht es aber auch in Schleimfieber, Auszehrung, Lungenschwindsucht, Wassersucht über und kann durch diese Folgekrankheiten, auch durch Erstickung oder Schlagfluß tödtlich werden. Phlegmatische Temperamente und von Geburt schwächliche Körperconstitutionen, die vielleicht in der Jugend skrofulös waren oder an der englischen Krankheit litten und das weibliche Geschlecht mehr als das männliche sind vorzüglich zur Verschleimung geneigt. Allein die Anlage dazu und die Krankheit selbst kann auch durch Aufenthalt in kalten und feuchten Gegenden, durch feuchte Wohnungen, sitzende Lebensart, den Genuß mehliger, erschlaffender Speisen und Mangel an Fleischnahrung, niederdrückende Gemüthsbewegungen und andere mehr hervorgerufen werden. Das Trinken von frischem Wasser, besonders in den frühen Morgenstunden, und Bewegung im Freien sind der Bekämpfung der Verschleimung sehr förderlich, die übrigens darum zu den schwer heilbaren Krankheiten gehört, weil häufig nicht abzuändernde Lebensverhältnisse die Wirksamkeit aller Heilmittel vereiteln.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 596.
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