Zauberlaterne

Zauberlaterne

[781] Zauberlaterne, Laterna magica, heißt die sinnreiche, optische Vorrichtung, mittels der auf Glas gemalte kleine Figuren im Dunkeln vergrößert an einer Wand dargestellt werden können und ist eine Erfindung des aus Geyßa im Fuldaischen gebürtigen, 1686 zu Rom als Professor der Mathematik gestorbenen Jesuiten Athanasius Kircher, der zu den vielseitigsten Gelehrten seiner Zeit gehörte.

Die Vorrichtung besteht aus einem viereckigen, laternenähnlichen Kasten von Blech, in dessen Mittelpunkt eine Lampe (1) brennt. An der Rückwand befindet sich hinter ihr ein metallischer Hohlspiegel (2), welcher das Lampenlicht auf die ebene Fläche der gegenüber angebrachten planconvexen Glaslinse (3) wirst, vor welcher sich ein verschiebbares Rohr mit einer convexen Linse (4) befindet, durch welche also das Licht sich nach außen verbreitet. Die vorzustellenden Figuren sind auf Glastafeln gemalt und werden von der Seite und verkehrt, mit dem Kopf zu unterst, durch einen Spalt vor das erste Linsenglas geschoben. Durch dieses geht nun das Licht von jedem Punkte des erleuchteten Gemäldes, sowie durch das zweite hindurch und stellt das Bild in bestimmter Entfernung auf einer Wand um so mehr vergrößert dar, als die Laterne davon entfernt ist. Hat jedoch die Entfernung einen gewissen Punkt erreicht, so hört das Bild auf, deutlich zu sein. Läßt man das Bild anstatt auf eine Wand, in einen aufsteigenden weißen Dampf fallen, so bekommt es den Anschein körperlichen Umfanges, und auf solche Art werden die sogenannten Geistererscheinungen vorgestellt. Die Zauberlaterne veranlaßte die Erfindung des Sonnenmikroskops, das im Wesentlichen nur durch Anwendung von Sonnenlicht davon unterschieden ist. (S. Mikroskop.)

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 781-782.
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