Mineralogie

[222] Mineralogie ist die Lehre von den Mineralien oder Fossilien,[222] den unorganischen, bloß nach physisch-chemischen Gesetzen gebildeten Körpern, welche ursprünglich im flüssigen Zustande gewesen, und theils primitiv, d. h. vor der organisirten Schöpfung, waren, oder secundär, nach der Entstehung der Pflanzen und Thiere, entstanden sind. Zu jenen gehören die Granit- und Ganggebirge, zu diesen die Flözgebirge und aufgeschwemmten Erdlager. Nach der alten von Avicenna berücksichtigten Eintheilung bringt man die Mineralien in vier Klassen: 1) Steine und erdige Fossilien, wozu die Geschlechter Kiesel, Zirkon, Gedolin, Glycin, Thon, Talk, Kalk etc. mit zahlreichen Folgearten gehören, und worunter die Edelsteine, meistens Erdarten, besonders merkwürdig sind. 2) Salze, als salzsaure Mittelsalze, schwefelsaure Mittelsalze, salpetersaures Mittelsalz, boraxsaures und kohlensaures Mittelsalz mit vielen verwandten Arten. 3) Eigentliche sogenannte brennliche Mineralien, mit den Schwefel-, Erdharz-, Graphit- und Demantgeschlechtern. 4) Metalle (s. d.), wie Platina, Gold, Silber etc. Außerdem gehören noch die Petrefacten, Versteinerungen von Pflanzen und Thieren, zu den Mineralien. Die M. sind ohne Lebenskraft und innere Bewegung, wachsen nicht durch Erzeugung, sondern durch Ansetzen gleichartiger Theile (Aggregation). Die Mineralogie zerfällt in die Oryktognosie, der Lehre von der Erkenntniß der anorganischen Körper, und die Geognosie (s. d.). Die mineralogische Chemie und Geographie und die ökonomische M. sind Hilfslehren dieser Wissenschaft, die nach verschiedenen Systemen bearbeitet worden ist. Das System der äußern Kennzeichen, von Wallenius begründet und von Werner in Freiberg zur Vollkommenheit gebracht, ist das am weitesten verbreitete; das chemische stellte Cronstädt auf, und der Engländer Kirwan bildete es aus; das krystallographische oder mathematische ordnete der französische Naturforscher Hauy, und das genetische, welches das erste und dritte vereinigt, hat Oken gegeben. So unendlich überraschend die Varietäten der Thierwelt oder des Pflanzenreichs, so sehr interessant[223] sind auch die Gebilde der anorganischen Welt. Für Kunst und Gewerbe birgt das Mineralreich unerschöpfliche Hilfsquellen, und die Chemie und Physik, diese großen Erkenntnißlehren der geheimnißvollen Natur, schöpfen aus diesem Borne Erfahrungen, welche den wichtigsten Einfluß auf Wissenschaft und Leben haben.

5.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 7. [o.O.] 1836, S. 222-224.
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