Polarität

[124] Polarität: das Auseinandertreten einer Einheit, Kraft in zwei Pole, entgegengesetzte Richtungen der Tätigkeit. Die Lehre von den Gegensätzen (s. d.) im Weltgeschehen schon bei HERAKLIT u. a. – Die durchgängige Polarität des an sich indifferenten Absoluten in Natur (s. d.) und Geist (s. d.) lehrt SCHELLING (s. Indifferenz, Identitätslehre, Gott). ESCHENMAYER erklärt: »Es gefiel Gott wohl, ein Geisterreich zu ordnen und demselben ein Naturreich gegenüberzustellen, beide aber durch ein Drittes zu vermitteln« (Gr. d. Naturphilos. S. 24 ff.). Nach HEGEL ist der Gedanke der Polarität »die Bestimmung des Verhältnisses der Notwendigkeit zwischen zwei verschiedenen, die eines sind, insofern mit dem Setzen des einen auch das andere gesetzt ist. Diese Polarität schränkt sich nur auf den Gegensatz ein. durch den Gegensatz ist aber auch die Rückkehr aus dem Gegensatz als Einheit gesetzt, und das ist das Dritte« (Naturphilos. S. 31). Nach GIOBERTI ist die Polarität ein Gesetz alles außer Gott Existierenden, sie folgt aus der »legge di eterogeneità« der Welt (Protol. II, 547 ff.). EMERSON bemerkt: »Polarität oder Wirkung und Rückwirkung treffen wir in jedem Teile der Natur an, in Finsternis und Licht, in heiß und kalt, in Ebbe und Flut, im männlichen und weiblichen Geschlechte...« »Wie die Welt, so zeigt auch ein jeder ihrer Teile diese Zweiheit.« »Ein unvermeidlicher Dualismus durchschneidet die Natur, so daß ein jegliches Ding nur eine Hälfte darstellt und ein anderes Ding zu seiner Ergänzung voraussetzt« (Essays, Ausgleichungen[124] S. 13 f.). R. HAMERLING erklärt: »Polarität ist das Auseinandergehen einer und derselben Wesenheit in zwei entgegengesetzte, aber unzertrennliche Qualitäten, Kräfte, Richtungen, die man Pole nennt« (Atomist. d. Will. I, 208). »Nach dem Gesetze des Ausgleichs, der Compensation, suchen und ziehen die entgegengesetzten Pole einander an, aber um sich auszugleichen, um sich selbst zu vernichten« (l. c. I, 214).

Quelle:
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2. Berlin 1904, S. 124-125.
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