Condillac

[187] Condillac (Kongdilliak), Etienne Bonnot de Mably, Bruder des Historikers und Politikers Mably, wurde 1715 zu Grenoble geb. und durch zurückgezogenes Forschen der erste wissenschaftliche Vertreter jener »Philosophie des Weltgeistes, die sich in das Reich der 5 Sinne zurückzog, den Geist als Traum des Fleisches und die Liebe als Heuchelei der Selbstsucht betrachtete.« Im »Essai sur lʼorigine des connaissances« Amsterdam 1746–88, 2 Bde., deutsch von Hißmann, Leipzig 1780, spielt das Prinzip der Ideenverbindung die Hauptrolle; der »Traité des sensations« London und Paris 1754, versuchte eine Art Geschichte der menschlichen Erkenntniß, deren einzige Quelle die Sinnesempfindung sei, und C. vertheidigte sich scharf gegen den Vorwurf des Plagiats aus Büffon, nachdem er bereits im »Traité des systemes« Haye 1749 und sonst den gefunden Menschenverstand als Dictatoren der Wissenschaft und den Menschen principiell als Thier proclamirt hatte und 1746 Lehrer des Infanten Ferdinand Ludwig, eines Enkels Ludwigs XV. und spätern Herzogs von Parma, geworden war. Für diesen schrieb er: »Cours dʼétude«, Deux-Ponts 1782, 13, später 16 Bde. (eigentlich Parma 1769 bis 1773), worin er eine philosophische Grammatik versuchte, die Geschichte erst mit den Griechen beginnen und zahlreichen Zeitanspielungen Raum ließ. Die Ernennung zum Akademiker 1768 unterbrach sein Stilleben nicht; st. 1780 auf seinem Landgute bei Beaugency in Orleannais. »Oeuvres revues et corrigés«, Paris, lʼan 6 (1798) 23 Bde. in 8,1803, 31 Bde. in 12, mit denselben gleichzeitig die hinterlassene geistreiche und paradoxe »langue des calculs«.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 187.
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