Oesterreichischer Erbfolgekrieg

[390] Oesterreichischer Erbfolgekrieg. Trotz der pragmatischen Sanction (s. d. und Oesterreich. Gesch.) wurde Maria Theresias Erbe bestritten: Friedrich II. verlangte Schlesien, alte aber von seinem Vorfahren ausdrücklich aufgegebene Ansprüche geltend machend; der Kurfürst Karl Albrecht von Bayern als Nachkomme von Ferdinands I. ältester Tochter, Anna, Böhmen und die österr. Erblande; Spanien, Sardinien u. Sachsen erhoben gleichfalls Ansprüche, die sie auf weibliche Erbfolge zu begründen suchten, Frankreich aber verfolgte seine alte Politik, Oesterreich zu einer Macht 3. Ranges herabzudrücken. Friedrich II. griff zuerst an und gewann durch die Schlacht bei Molwitz (10. Apr. 1741) den größten Theil von Schlesien; der bayer. Kurfürst, der zu Nymphenburg mit Frankreich und den andern Feinden Maria Theresias einen Vertrag zur Theilung der österr. Monarchie geschlossen hatte, eröffnete den Krieg im August 1741 und nahm durch Franzosen und Sachsen verstärkt Prag, wo er sich als König von Böhmen huldigen ließ, ging von da nach Frankfurt u. ließ sich 24. Jan. 1742 als Karl VII. zum Kaiser krönen. Unterdessen hatten sich aber für Maria Theresia die Ungarn u. die Erbländer erhoben, England und Holland standen für Oesterreich gegen die bourbonischen Höfe ein und bezahlten starke Subsidien, Friedrich II. wurde insgeheim durch die Abtretung des größten Theils von Schlesien neutralisirt, Bayer und Franzosen wurden im Dezbr. 1711 aus Oesterreich verjagt, München erobert, und Friedrich II., der wieder losgeschlagen und 17. Mai 1742 bei Chotusitz gesiegt hatte, durch den definitiven Frieden von Breslau und Berlin (28. Juli) befriedigt. Im Dez. räumten die Reste der französ. Armee Böhmen, die österr. Truppen besetzten ganz Bayern, ein engl.-deutsches Heer schlug den 27. Juni 1743 die Franzosen bei Dettingen auf das Haupt und jagte sie über den Rhein zurück. England vermittelte hierauf eine Allianz zwischen Oesterreich u. Sardinien, das einige Stücke des Mailändischen erhielt, im Dez. mit Sachsen, aber 1744 eröffnete Friedrich II. im August abermals den Krieg und nahm Prag, wurde jedoch wieder aus Böhmen hinaus manövrirt. Die Franzosen gingen über den Oberrhein und eroberten Freiburg, führten auch gleichzeitig einen Festungskrieg in Brabant, während der Krieg in Italien von den Franzosen Spaniern und Neapolitanern ohne bedeutende Resultate fortgesetzt wurde 1745 schlugen die Oesterreicher die Franzosen und Bayer bei Pfaffenhofen und der Kurfürst Max Joseph von Bayern (Karl Albrecht war den 20. Jan. gest. erhielt im Frieden von Füßen seine Erbländer zurück, entsagte aber dafür allen Ansprüchen auf die österr. (22. April) Friedrich II. dagegen behauptete durch die Siege von Hohenfriedberg 4. Juni, Sorr 30. Sept. Kesselsdorf 15. Dez. das Uebergewicht im Felde u. erkämpfe den Frieden zu Dresden (25. Dezbr.), der ihm Schlesien sicherte. Im See- u. Colonialkriege waren die Franzosen gegen die Engländer und Holländer entschieden unglücklich, dagegen siegten sie unter dem Marschall von Sachsen bei Fontenay (11. Mai 1745), nahmen 1746 die österr. Niederlande weg, gewannen 2. Juli 1747 die Schlacht bei [390] Lawfeld, nahmen Bergen op Zoom, am 11. Mai 1748 Mastricht; aus Italien waren sie indessen von den Oesterreichern unter Liechtenstein vollends vertrieben worden. Allgemeine Erschöpfung und eine russ. Armee, welche in Folge eines Vertrags mit Oesterreich und dessen Verbündeten an den Rhein marschirte, führte endlich am 16. Oct. 1748 zum Frieden zu Aachen, in welchem Maria Theresia Parma, Piacenza und Guastalla an einen span. Infanten abtrat.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 390-391.
Lizenz:
Faksimiles:
390 | 391
Kategorien: