[426] Spanischer Erbfolgekrieg (Spanischer Succesionskrieg). 1) Veranlassung zu dem Kriege. Nach dem Ruswijker Frieden (20. Sept. 1697, s.u. Frankreich S. 559) stand der Mannsstamm der spanischen Zweigs vom Hanse Habsburg auf dein Erlöschen, denn König Karl II. hatte keine männlichen Nachkommen. Da der spanische Thron nach alten Gesetzen in beiden Geschlechtern erblich wer, so machten mehre Fürsten Anspruch auf die Thronfolge. Ludwig XIV., König von Frankreich, war der Sohn von Anna Marta, ältester Tochter Philipps III., u. vermählt gewesen mit Maria Theresia, der ältesten Tochter Philipps IV. u. Schwester Karls II., der Mutter des Dauphins. Der Dauphin hatte wieder zwei Söhne, Ludwig u. Philipp, u. obgleich Ludwig XIV. u. seine Gemahlin bei ihrer Vermählung den Ansprüchen auf die spanische Krone eidlich entsagt hatten, so behauptete er doch, daß dieses nur für sich u. nicht für seine Nachkommen geschehen sei. Leopold I. von Österreich, Kaiser von Deutschland, der Sohn einer jüngern Tochter Philipps III., Maria Anna, u. mit Philipps IV. jüngerer Tochter, Margaretha Theresia, vermählt gewesen, hatte aber als einziger Nachkomme in männlicher Linie von dem Erzherzog Philipp u. der Johanna von Aragon noch ein näheres Anrecht zum Throne als Ludwig XIV. Joseph Ferdinand. Kurprinz von Baiern, Sohn des Kurfürsten Max Emanuel u. der Maria Antonia, einziger Tochter von Margaretha Theresia, der Gemahlin Leopolds, hatte nur dann Anrecht, wenn die Ansprüche Ludwigs XIV u. seiner Enkel durch seine Entsagung wirklich aufgegeben worden waren. Victor Amadeus, Herzog von Savoyen, stammte von einer Tochter Philipps III ab, wollte sich aber mit einem Theil der spanischen Besitzungen in Italien begnügen. König Karl II. war Anfangs für Österreich u. hatte den Kaiser gebeten ihm seinen zweiten Sohn, den Erzherzog Karl, nach Spanien zu schicken, um ihn dort als Thronerben anerkennen zu lassen. aber Leopold that dies nicht, u. Karl II., von Ludwig XIV. bewogen, besann sich eines Andern. England u. Holland wünschten aber weder eine Vereinigung Spaniens mit Österreich noch mit Frankreich, ungeachtet der Erklärung des Kaisers, daß ihre jüngeren Söhne od. Enkel das Land als besonderes Königreich regieren sollten Wilhelm III. von England schlug daher vor, daß der Kurprinz von Baiern Spanien u. die Colonien, der Kaiser die Niederlande, Frankreich aber Neapel u. Sicilien erhalten sollte. Hiergegen lehnte sich aber der Stolz der Spanier auf, u. Karl II machte sogleich ein Testament, in welchem er den Kurprinzen zum einzigen Erben der ganzen Spanischen Monarchie ernannte, u. lud denselben ein nach Spanien zu kommen. Der Kurprinz machte sich auf den Weg dahin, erkrankte aber auf der Reise in Brüssel u. starb daselbst 6., Febr. 1699. Dies änderte die Lage der Sachen, u. König Wilhelm entwarf ein neues Theilungsproject, wonach der Erzherzog Karl Spanien, die Colonien u. die Niederlande, der französische Dauphin aber Neapel u. Sicilien erhalten sollte. Der Kaiser verwarf auch dieses Project, Ludwig XIV. aber nahm es scheinbar am 13. März 1700 zu London an, wohl wissend, daß sich in Spanien alle Stimmen dagegen erheben würden, u. wirklich unterzeichnete Karl II. auf dem Todbette am 2. Oct. 1700 ein neues Testament, in welchem er Philipp von Anjou, den zweiten Enkel Ludwigs XIV., zum Erben seines ganzen Reichs ernannte, demselben aber, wenn er sterben sollte, den Herzog von Berry substituirte. Hierbei spielten französische Intriguen durch den französischen Gesandten Grafen d'Harcourt, welcher den sorglosen kaiserlichen Gesandten Grafen Harrach mit Hülfe des, von der österreichischen Partei beleidigten u. daher von dieser zu der französischen übergegangenen Cardinals Porto Carero u. des Beichtvaters des Königs, Pater Diaz, überlistete. Porto Carero war bereits 1700 an der Stelle des gestürzten Grafen Oropesa Minister geworden u. bewirkte den Sturz u. die Verbannung[427] der Gräfin Berlepsch, welche bisher an der Spitze der deutschen Partei stand. Die französische Partei benutzte dagegen ihren Einfluß u. ließ, als Karl II. 1700 erkrankte, den Grafen Harrach nicht einmal an das Todbett des Königs. Einige behaupten, daß Karl II. dies Testament in seinen letzten Stunden habe zurücknehmen wollen, Andere, daß dies wirklich geschehen sei. Am 1. Nov. 1700 starb Karl II., u. Ludwig XIV. legte nun das Testament dem Parlament zu Paris u. seinem Staatsrathe zur Prüfung vor, ob Philipp von Anjou berechtigt sei dem Testament zufolge den Thron anzunehmen. Die Antworten fielen bejahend aus, u. so wurde der Prinz in allen spanischen Landen als König Philipp V. ausgerufen u. hielt am 15. April 1701 seinen Einzug in Madrid. Er wurde von allen Mächten Europas (ausgenommen von Österreich) anerkannt u. keine gab Anfangs Österreich Gehör sich den Intriguen Frankreichs zu widersetzen. Ludwig XIV. ließ aber offene Briefe ergehn, in welchen er Philipp V. sein Recht auf die Krone von Frankreich vorbehielt, dann ließ er französische Truppen in die Niederlande einrücken u. erkannte für den Todesfall des Königs Jakob II. dessen Sohn als Jakob III. König von England an. Englands Parlament u. Volk wurden dadurch aufmerksam u. Wilhelm III. schloß ein Bündniß mit dem Kaiser, welchem auch Holland beitrat (Großes Bündniß) u. welches nach seinem Tode von seiner Nachfolgerin Anna aufrecht erhalten wurde. Auch Ludwig XIV. suchte sich Bundesgenossen; er hatte den Herzog von Savoyen dadurch gewonnen, daß er dessen Tochter mit Philipp V. vermählte u. ihm selbst den Oberbefehl über die spanischen u. französischen Truppen in Italien versprach, er hatte ferner mit dem Herzog von Mantua u. dem Papst ein Bündniß geschlossen, die Kurfürsten von Baiern u. Köln, die Herzöge von Braunschweig u. Gotha, den Landgrafen von Hessen u. den Bischof von Münster in sein Interesse zu ziehen gewußt, er reizte die Türken zum Kriege auf u. knüpfte in Ungarn Verbindungen mit den Malcontenten an.
II. Ausbruch des Kriegs 1701. Kaiser Leopold zog 80,000 Mann am Rhein u. in Italien zusammen, von denen der Prinz Eugen von Savoyen 30,000 Mann in Italien befehligte. Dort hatte der Marschall Catinat sich im Frühjahr 1701 mit den spanischen Truppen vereinigt, welche der Prinz Vaudemont in Mailand commandirte, worauf sie Mantua u. Mirandola besetzten u. ihre Truppen am rechten Etschuser ausbreiteten. Die Engpässe, welche aus Tyrol nach der Etsch führen, waren sorgfältig befestigt. Anfang Aprils sammelte Prinz Eugen sein Heer um Roveredo, u. indem er sich erst stellte, als wollte er sich einen Durchgang auf der Seite der Etsch bahnen, ging er über die für unübersteiglich gehaltenen Berge u. erschien ganz unerwartet mit 30,000 Mann vor Verona. Catinat besetzte nun, nachdem er ein Corps zur Beobachtung der Ausgänge aus dem Gebirge an den Gardasee entsendet hatte, Carpi u. Castagnaro u. umstellte Verona u. Legnano als diejenigen Stellungen, welche die Hauptpässe an der Etsch. u. die einzigen Wege, welche durch die Sümpfe des Thals von Verona führen, beherrschten. Aber Eugen, die Franzosen täuschend, ging bei Castel-Baldo über den Fluß u. schlug eine Brücke über den Po, wodurch Catinat sich gezwungen sah seine Truppen bis Ostiglia zurückgehn zu lassen, um beide Stromufer vertheidigen zu können. Eugen entsendete nun ein Corps ins Modenesische u. beschäftigte die französischen Posten an der Etsch durch Scheinangriffe, dann ging er bei Trecento über den Tartaro u. schlug am 7. Juli mit 11,000 Mann das feindliche Corps bei Castagnaro u. eroberte Carpi nach lebhaftem Gefechte. Eilig zog Catinat nun sein Heer über den Mincio zurück, wo der Herzog von Savoyen zu ihm stieß. Eugen ging aber bei Peschiera über den Mincio, trieb die Franzosen hinter den Oglio, zwang den venetianischen Statthalter ihm Chiari zu öffnen u. nahm unter den Mauern dieses Platzes eine Stellung. Ludwig XIV. rief nun den Marschall Catinat vom Commando ab u. schickte den Herzog von Villeroi an dessen Stelle nach Italien. Villeroi ging, durch falsche Nachrichten von dem Rückzuge der Feinde getäuscht, über den Oglio u. rückte bis Chiari vor, wo er das Heer Eugens in einem festen Lager fand. Er versuchte am 1. Sept. vergebens dasselbe zu stürmen, blieb nun beobachtend vor demselben stehn u. bezog dann hinter dem Oglio Winterquartiere. Eugen. nahm aber das ganze Herzogthum Mantua bis auf die Hauptstadt, welche er blockiren ließ, u. Mirandola u. Guastalla, dehnte seine Winterquartiere bis jenseit des Po aus u. zog so die kleinen italienischen Staaten auf Österreichs Seite. In Deutschland gewann Kaiser Leopold I. den Kurfürsten von Brandenburg durch Bewilligung des Königstitels von Preußen, den Herzog von Braunschweig-Lüneburg durch Gewährung des Titels als Kurfürst von Hannover u. viele andere protestantische Stände durch die Hoffnung, daß einige sie verletzende Artikel im Frieden von Ryswijk widerrufen würden; die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel u. Sachsen. Gotha aber nöthigte er ihre Verbindung mit Frankreich aufzugeben; auch die Kreise Franken, Schwaben, Ober- u. Niederrhein gewann er für seine Sache. Am 15. Mai 1702 erklärten Leopold I. als deutscher Kaiser, die Königin Anna von Großbritannien u. Irland u. die Niederländischen Generalstaaten zugleich den Krieg an Frankreich.
III. Feldzug von 1702. A) In Italien. Anfangs 1702 ließ Prinz Eugen Mantua enger einschließen, überrumpelte am 1. Febr. den Marschall Villeroi in Cremona, indem sich seine Truppen durch einen unterirdischen Abzugskanal in die Stadt einschlichen, u. nahm den Marschall im Bette gefangen. Die Kaiserlichen konnten aber Cremona nicht behaupten u. mußten am anderen Morgen, da bes. einige Thorwachen der Franzosen tapferen Widerstand leisteten, auch die Pobrücke behauptet u. so den Österreichern die Vereinigung ihrer Kräfte unmöglich gemacht wurde, mit den Gefangenen sich wieder zurückziehen. An die Stelle des unfähigen Villeroi trat jetzt der Herzog von Vendôme als Befehlshaber der Franzosen u. zog zahlreiche Verstärkungen an sich, aber sein Versuch Mantua zu entsetzen war vergeblich. Prinz Eugen verstärkte sein Heer auch durch 15,000 Mann, konnte aber doch nicht hindern, daß am 1. Juni die Franzosen Castiglione wieder eroberten u. am 15. Juni vor seinem Lager bei Chiari erschienen, welches sie mit glühenden Kugeln beschossen. König Philipp V., welcher im April 1702 in Neapel angelangt war, hatte sich zu seinem Heere unter Vaudemont begeben, welches bei Vendômes Armee stand[428] u. 20,000 Mann zählte, u. während diese fortwährend das Blockadecorps von Mantua beunruhigten, ging Vendôme, von Philipp V. begleitet, mit 30,000 Mann über den Po, um dem Feinde die Verbindung mir Modena u. Mirandola abzuschneiden. Drei kaiserliche Cavallerieregimenter, welche bei S. Vittoria standen, wurden überfallen u. fast ganz aufgerieben, u. nun hob Eugen am 15. Aug. die Blockade von Mantua auf, überraschte die Franzosen am folgenden Tag bei Suzzara, ohne jedoch etwas Entscheidendes gegen Vendômes Übermacht zu erzielen, u. mußte sich begnügen die Franzosen südlich vom Po in Schach zu halten. Am 16. Sept. drang eine kaiserliche Abtheilung in Mailand ein u. rief den Erzherzog Karl zum König von Spanien aus. Am 11. Sept. eroberten die Franzosen dagegen Guastalla u. am 17. Nov. Borgoforte. Als Vendôme hierauf sein Heer in Winterquartiere legte, nahmen die Kaiserlichen die ihrigen zwischen der Secchia u. dem Po u. sicherten durch die Besetzung von Ostiglia ihre Verbindung mit der Etsch. B) In den Niederlanden u. am Rhein. Nicht weniger als der Kaiser hatte währenddem die Königin Anna von England an Kriegsrüstungen gethan. Sie sendete den Herzog von Marlborough nach dem Continent, bewog den Großpensionär der Generalstaaten, Heinsius, zu ernstlicheren Rüstungen u. Beide stellten nun bei Nimwegen ein englisch-holländisches Heer auf, zu welchem 12,000 Dänen als Hülfscorps stießen, über welche Marlborough das Commando übernahm. Doch noch zuvor machten die Franzosen, vom Herzog von Burgund u. dem Marschall von Boufflers befehligt, den Versuch die niederländische Armee durch Linien zwischen St. Donat u. Isabella einzuschließen; indeß der holländische General Coehorn zerstörte dieselben, u. die niederländische Armee rückte bis in die Gegend von Brügge vor. Zugleich hatte der Prinz von Nassau-Saarbrücken mit einem österreichischpreußischen Corps das befestigte Kaiserswerth am 16. Aug. eingeschlossen u. nach vier Wochen erobert, die Werke zerstört u. die Stadt dem Kurfürsten von der Pfalz übergeben. Währenddem hatte der Herzog von Burgund einen Versuch gemacht Nimwegen zu überrumpeln u. so die Holländer u. Dänen abzuschneiden, aber der Versuch mißlang, u. zu Ende Augusts übernahm Marlborough den Oberbefehl über das starke englisch-niederländische Heer. Indem er bei Grave über die Maas ging, rückte er gegen die rechte Flanke der Franzosen vor u. nöthigte diese sich nach Brabant zurückzuziehen. Dort verließ der Herzog von Burgund das Heer u. der Marschall Boufflers übernahm den Oberbefehl. Marlborough eroberte nun am 1. Sept. Venlo, am 6. Oct. Roermonde u. gleich darauf Stevenswerdt. Von dort rückte das verbündete Heer gegen Lüttich, erstürmte die Karthause u. zwang die Citadelle zur Übergabe. Am Oberrhein hatte im Sommer Prinz Ludwig von Baden ein Heer von 40,000 Österreichern u. Reichstruppen gesammelt, mit denselben am 20. Aug. den Rhein überschritten, die Linien an der Lauter bezwungen, Lauterburg, Kronweißenburg u. andere Städte erobert u. am 20. Sept. Landau eingeschlossen. Zwar eilte der Marschall Catinat zum Entsatz dieser Festung herbei, wurde aber bei Drusenheim geschlagen u. am 9. Oct. die Citadelle von Landau erstürmt, worauf die Stadt am 10. capitulirte. Schon wollte der Prinz von Baden sich mit Marlboroughs Heer vereinigen u. Frankreich an seiner schwächsten Seite angreifen; als der Kurfürst Maximilian II. von Baiern sich plötzlich für Ludwig XIV. erklärte, Ulm überrumpelte, Memmingen nahm u. den General Arco mit 10,000 Mann entsendete, um sich mit einer französischen Armee zu verbinden, welche unter Villars gegen den Schwarzwald vordringen sollte. Arco traf jedoch in Schaffhausen auf eine schweizerische Armee u. mußte sich nach Baiern zurückziehen. Am 14. Oct. kam es zwischen dem Prinzen von Baden u. Villars bei Friedlingen, unweit Hüningen, zur Schlacht u. obgleich die Kaiserlichen den Kürzeren zogen, so ging Villars doch über den Rhein zurück, besetzte Trier u. Trarbach u. überraschte am 1. Dec. Nancy, die Hauptstadt von Lothringen. Die Kaiserlichen nahmen ihre Winterquartiere nun an der Kinzig, Villars in Elsaß. C) In Spanien, Um die starke österreichische Partei unter dem spanischen Adel zu unterstützen, landete der britische Admiral Rooke am 21. Aug 1702 mit einer englischen u. Admiral Allemond mit einer holländischen Flotte bei Cadiz; die Landungstruppen (14,000 Mann) unter dem Herzog von Ormond eroberten zwar einige Schanzen, hoben aber die Belagerung von Cadiz wieder auf, da es nicht gelang das Fort Matagorda zu bezwingen u. da die Spanier keine Luft bezeigten sich anzuschließen. Dagegen eroberte diese Flotte am 22. Oct. in dem Hafen von Vigo die spanische Silberflotte. Eine französische Escadre erschien indessen auch im Adriatischen Meer u. bombardirte den Hafen von Triest Im Innern von Frankreich entstanden bedeutende Unruhen; die Protestanten im Süden erhoben sich auf die Nachricht, daß Ludwig XIV. in Krieg mit dem Auslande begriffen sei, u. es entspann sich der hartnäckige Krieg in. den Sevennen, s.d.
IV. Ereignisse im Jahr 1703. A) In den Niederlanden hemmte die Uneinigkeit zwischen Holländern u. Engländern die Operationen; so wurden die Holländer bei Eekeren geschlagen u. ihre Commissäre hielten Marlborough ab die Linien zu stürmen, welche die Grenze der Niederlande von Antwerpen bis an die Maas deckten, dennoch eroberte er Huy u. Limburg u. sicherte dadurch den Besitz des Bisthums Lüttich, so wie durch das am 14. Mai von Coehorn eroberte Bonn den des Kurfürstenthums Köln. Geldern fiel auch in die Hände der Alliirten u. Mastricht wurde von ihnen belagert. B) In Deutschland suchte der Kaiser Baiern zu erobern u. ließ deshalb die fränkischen Kreistruppen unter General Styrum sich bei Neumark zusammenziehen, um gegen die Oberpfalz zu agiren, während Österreicher u. Sachsen unter General Schlick von dem Inn her angreifen sollten; der Markgraf von Baden nahm sein Hauptquartier in Kehl. Der französische Marschall Villars sollte aber dem Kurfürsten von Baiern um jeden Preis Luft machen u. brachte durch mehre Scheinbewegungen den Markgrafen dahin seine Truppen zu vereinzeln. Um die Pässe zwischen Kehl u. Breisach zu vertheidigen, ging er zwischen Breisach u. Hüningen über den Rhein, schlug ein bei Eltz stehendes österreichisches Corps, drängte den Markgrafen aus seinen Quartieren an der Kinzing bis Stollhofen zurück u. besetzte alle Stellungen, welche die Österreicher zwischen dem Rhein u. dem Gebirge inne gehabt hatten. Seit dem 25. Febr. belagerte er Kehl u. zwang diesen Platz am 19. März[429] zur Übergabe. Hierauf ging er über den Rhein zurück. Der Graf von Fürstenberg besetzte nun kaiserlicher Seits die Pässe des Schwarzwaldes mit einem Corps; der Markgraf stellte sich, von den langen zusammenhängenden Stollhofer Linien geschützt, auf. Villars aber ging, während der Marschall Tallard seine Bewegung deckte, bei Strasburg über den Rhein, griff die Linien von Stollhofen zum Schein an u. entsendete ein Corps in das Kinzigthal, welches die Verschanzungen wegnahm, welche die Höhen schützen sollten, u. Haslach u. Hornberg erstürmte. Schleunig zogen sich die Österreicher aus den Engpässen zurück, u. Villars erschien nach einem Marsche von 14 Tagen am 8. Mai 1703 vor Villingen, welches am Ausgange der Bergkette liegt, ging, ohne sich mit dessen Eroberung aufzuhalten, vorwärts u. vereinigte sich bei Tuttlingen am 12. Mai mit dem Kurfürsten von Baiern. Dieser hatte Neuburg am 3. Febr. genommen u. sich dann gegen Styrum u. Schlick gewendet, von denen der Erstere, nachdem er am 4. März 1703 die Linien bei Dietfurt erstürmt u. am 17. Neumark erobert hatte, Amberg belagerte, während Schlick vom Inn her in Baiern eindringen sollte. Gegen Styrum entsendete Max Emanuel 12,000 Mann, während er selbst mit 1618,000 Mann sich gegen Schlick wendete Der Kurfürst machte Miene erst auf Passau loszugehen, wendete sich aber unvermuthet gegen Schärding, ging mit 12,000 Mann über den Inn u. überfiel am 11. März bei Scheidingberg die österreichische Reiterei, welche er nach Eisenbirn warf Hier schlug er am 12. März die Österreicher u. Sachsen, eroberte Neustadt am Inn u. wendete sich dann nach der Oberpfalz, schlug am 28. März den Markgrafen von Baireuth bei Einhofen an der Vils, zwang Styrum die Blockade von Amberg aufzuheben u. kehrte dann wieder an die Donau zurück, weil General Schlick seine Truppen neu gesammelt u. Vilshofen erobert hatte. Am 9. April nahm der Kurfürst das unbesetzte Regensburg, u. als Schlick bei der Nachricht von dem Anmarsche der Baiern sich eiligst zurückzog, vereinigte sich Max Emanuel mit Villars. Durch diese Vereinigung waren unerwartet die österreichischen Staaten gefährdet, da die österreichischen Heere in Italien u. am Rheine standen. Aber anstatt gerade auf Wien loszugehen, wie sie wollten, beschlossen die Franzosen u. Baiern, daß Villars in Baiern bleiben sollte, um die Bewegungen des Markgrafen von Baden zu beobachten, dagegen sollte Max Emanuel in Tyrol eindringen u. sich mit Vendôme in Italien in Verbindung setzen. Zuvor schickte aber der Kurfürst den General Maffei mit 3000 Mann nach Franken, um Rothenburg an der Tauber zu entsetzen, welches General Janus mit den fränkischen Kreistruppen belagerte. Dieser rückte nach Gratensee an der Pegnitz vor, um hier Verstärkungen an sich zu ziehen, aber bevor diese anlangten, überfiel Janus am 23. Mai die Baiern, schlug sie u. eroberte gleich darauf Rothenburg. Villars bezog zwischen Lauingen u. Dillingen am linken Donauufer ein Lager, welches er verschanzen ließ, u. der Kurfürst brach am 14. Juni mit 15,000 Mann von München nach Tyrol auf. Die Festung Kufstein fiel nach kurzer Berennung dadurch, daß der Commandant die Vorstädte abbrennen lassen wollte, wodurch aber auch die Stadt in Flammen gerieth, welche das Schloß ergriffen u. zwei Pulvermagazine in die Luft sprengten, wodurch ein Theil des Walles mit einstürzte. Diesen Umstand benutzten die Baiern u. erstürmten die Stadt. Am 23. Juni fiel auch Rothenberg in seine Hände u. zwei Tage darauf zog der Kurfürst in Innsbruck ein, wo er sich als Grafen von Tyrol huldigen ließ Aber ein nach Brixen vorausgesendetes Detachement wurde fast ganz von den Tyrolern vernichtet u. das Hauptcorps, mit welchem er nach dem Brenner vorrücken wollte, zum Rückzug genöthigt. Auch in seinem Rücken hatte sich Tyrol erhoben, u. als er am 23. Juli wieder in Innsbruck ankam, war seine Armee bis auf die Hälfte geschmolzen. Der Kurfürst räumte hierauf Tyrol bis auf Kufstein (Hall u. Rothenberg fielen schnell) u. eilte, nachdem er in München sein Heer verstärkt hatte, nach der Donau, um sich mit Villars zu vereinigen. Dort war das Schlicksche Corps, früher durch Entsendungen nach Ungarn geschwächt, jetzt durch 8000 Dänen verstärkt worden u. hatte unter dem Commando des dänischen Generals Reventlow Landau an der Isar u. Vilshofen erobert; Amberg wurde von Böhmen aus durch den General Herville bedroht, u. an der Donau hatte der Markgraf von Baden ein Heer von 50,000 Mann gesammelt u. Munderklingen besetzt, wo aber am 31. Aug. der kaiserliche General Latour von dem französischen General Legal geschlagen wurde. Der Markgraf von Baden ließ den General Styrum mit 20,000 Mann in einem festen Lager bei Hausheim stehen, ging bei Ehingen über die Donau, besetzte in den ersten Tagen des September Augsburg, welches von den Baiern bedroht wurde, u. brachte so den Marschall Villars zwischen sich u. Styrums Corps in eine mißliche Lage. Der Letztere brach am 18. Sept. nach Donauwörth auf, um diese Stadt durch Überraschung zu nehmen, da sein Plan aber scheiterte, so bezog er sein festes Lager wieder. Villars ging aber in der Nacht vom 19. zum 20. mit dem Gros der französisch-baierischen Armee bei Donauwörth über die Donau, während ein anderes französisches Corps von 12,000 Mann unter d'Usson diesen Fluß bei Dillingen überschritt, um Styrums Corps von allen Seiten anzugreifen. Aber d'Usson griff zu früh an u. wurde geschlagen, bevor die Hauptarmee heran war. Als darauf der Kurfürst u. Villars am 20. Sept. den General Styrum zwischen Hochstädt u. Blenheim angriffen, wurde Styrum geschlagen, verlor alles Gepäck, 37 Kanonen u. 6000 Mann, konnte sich aber doch nach Nürnberg zurückziehen, indem ihn zwei sächsische Bataillone durch Ausharren vom Untergang retteten. Da der Markgraf nicht ferner angegriffen wurde, bezog er Winterquartiere in Schwaben; die französisch-baierische Armee besetzte Memmingen, eroberte am 13. Nov. Kempten u. am 14. Dec. Augsburg, welches von dem österreichischen General Bibra mit 6000 Mann vertheidigt worden war. Villars aber, über die Unentschlossenheit des Kurfürsten erzürnt, verließ das Heer u. kehrte nach Frankreich zurück; Max Emanuel eroberte am 9. Jan. 1704 Passau u. beendigte so diesen Feldzug. Als der Markgraf von Baden, Villars folgend, nach Baiern gezogen war, hatte der Herzog von Burgund den Oberbefehl über die französische Rheinarmee erhalten, welche 30,000 Mann zählte u. bestimmt war den Kurfürsten u. Villars zu unterstützen. Anstatt aber seiner Bestimmung nachzukommen, hatte er Alt-Breisach berannt u. am 6. Sept. erobert, worauf er nach Versailles zurückkehrte u.[430] den Oberbefehl an Tallard übergab. Dieser ging bei Kehl über den Rhein zurück, eroberte die Linien von Speyer u. Neustadt an der Haardt u. erschien, am 13. Oct. 1703 vor Landau, welches der kaiserliche General Friese mit 4500 Mann besetzt hielt. Deutschland u. die Niederlande strengten alle Kräfte an diesen Platz zu entsetzen, aber auch Tallard erhielt Verstärkung, griff am 15. Nov. die Alliirten unvermuthet am Speyerbache an u. trieb sie auseinander. Landau aber capitulirte am 19. Nov., die Besatzung erhielt freien Abzug Die Franzosen u. ihre Gegner bezogen nun Winterquartiere.
C) In Italien hatte Vendôme gleich zu Anfang des Jahres Brescello in Modena einschließen u. bombardiren lassen, fand aber sechs Monate lang Widerstand. Er nahm sein Hauptquartier in S. Benedetto u. ließ dem festen Lager der Österreicher gegenüber Linien anlegen. Der Prinz Eugen war nach Wien gereist, um Verstärkung für sein Heer zu verlangen; an seiner Stelle befehligte Graf Starhemberg u. leistete mit 30,000 Mann gegen 55,000 Mann tapferen Widerstand: so schlug er am 9. Juni einen Angriff auf Monte Molino ab u. siegte bei Finale über Albergotti. Vendôme, welchen Befehle nach Tyrol riefen, um sich mit dem dort eingedrungenen Kurfürsten von Baiern zu verbinden, stand endlich davon ab Starhemberg zu bezwingen u. wendete sich gegen Brescello, welcher Platz am 26 Juni sich wegen Mangels an Lebensmitteln ergeben mußte. Darauf marschirte Vendôme mit 20,000 Mann nach Tyrol u. erschien Anfang Augusts vor Trient, wurde aber plötzlich nach Italien zurückberufen. Hier nämlich hatte Victor Amadeus von Savoyen mit den Franzosen gebrochen u. sich für den Kaiser erklärt, weil er eingesehen hatte, daß es um seine Unabhängigkeit geschehen wäre, wenn sich Frankreich jenseit der Alpen festsetzte, u. da ihm der Kaiser u. England außer einem monatlichen Hülfsgeld von 80,000 Kronen u. dem Oberbefehl über die Armee von Italien, welche sie um 20,000 Mann vermehren wollten, Montserrat, Mantua, Alessandria, Valencia etc. anboten. Als Vendôme im Lager vor S. Benedetto angekommen war, ließ er am 29 Sept. die piemontesischen Truppen entwaffnen, die Offiziere gefangen nehmen u. die Soldaten unter die französischen Regimenter stecken u. rückte nun gegen Piemont vor, während Tessé von Frankreich aus gegen Savoyen zog. Obgleich Ludwig XIV. dem Herzog Victor Amadeus 24 Stunden Bedenkzeit gab sich eines Besseren zu besinnen, so trat derselbe doch am 25. Oct. förmlich dem Bündnisse gegen Frankreich bei, ließ alle Franzosen in seinen Staaten verhaften u. bewaffnete seine Unterthanen. Tessé eroberte nun ganz Savoyen, Montmelian ausgenommen, u. Vendôme bemächtigte sich der wichtigsten Plätze in Piemont. Starhemberg ließ dagegen 1700 Reiter nach Piemont aufbrechen (von denen aber die Franzosen 700 bei S. Sebastian abschnitten), wartete dann, bis die Franzosen ihre Winterquartiere bezogen hatten, ließ darauf den General Trauttmansdorff mit 12,000 Mann in Mirandola u. Ostiglia zurück u. brach am 25. Dec. vom Ufer der Secchia mit 18,000 Mann auf, zog am Po hin u. vereinigte sich am 13. Jan. 1704 bei Canelli mit dem Herzoge von Savoyen, welcher ihm mit 20,000 Mann entgegenzog. Jetzt räumte Vendôme Asti u. Montserrat u. führte seine Truppen in die Winterquartiere.
Die 1702 mißglückte Expedition gegen Cadiz hatte die Seemächte vorsichtig gemacht; man sah ein, daß sie, wenn sie von Erfolg sein sollte, von Portugal aus geleitet werden müßte, u. so trat man mit dem König Peter II. von Portugal in Unterhandlung. Englische, niederländische u. österreichische Bevollmächtigte u. viele spanische Unzufriedene fanden sich in Lissabon ein u. durch das Zureden der Gesandten ließ sich Peter II. bewegen dem Bunde gegen Frankreich beizutreten. Am 16. Mai 1703 willigte et ein den Erzherzog Karl als König von Spanien anzuerkennen, denselben in seine Staaten aufzunehmen u. ein Heer von 28,000 Mann zu seiner Hülfe zu stellen; dagegen sollten ihm die Grenzstädte Badajoz, Albuquerque, Valencia, Alcantara in Estremadura, Vigo, La Guardia u. Tuy in Galicien u. ein Landstrich in Amerika abgetreten werden u. der neue König von Spanien die Tochter des Königs von Portugal heirathen, welchem überdies die See mächte zur Unterhaltung von 13,000 Mann Subsidien versprachen. Nun entsagten Leopold u. se in Sohn Joseph jedem persönlichen Anspruch auf die spanische Krone u. Karl wurde in Wien als Karl III. zum König von Spanien ausgerufen. Von allen gegen Frankreich verbündeten Mächten anerkannt, ging der neue König über Holland nach England u. schiffte auf der Flotte des englischen Admirals Rooke nach Lissabon über. Obgleich hier seine bestimmte Braut gestorben war, vereinigte König Peter II. von Portugal doch seine Macht mit der der Alliirten. Der Seekrieg wurde im Jahr 1703 von den Verbündeten ohne allen Erfolg geführt. Die britische Flotte unter Rooke versuchte im Juni vergebens eine Landung in Westfrankreich u. kehrte im Juli nach ihrer Station St. Helena zurück. Eine andere Flotte von 58 Schiffen führte der britische Admiral Shovel u. der holländische Admiral Allemonde zuerst nach Portugal u. von da nach Neapel, welches sie zu erobern hofften, aber auch sie kehrte im Nov. nach den englischen u. holländischen Häfen zurück. Zu Ende 1703 zerstörte ein Sturm den Briten u. Holländern gegen 20 Schiffe. Frankreichs Seemacht lag ruhig im Hafen von Brest u. begnügte sich durch kleine Geschwader u. Caper den Handel seiner Gegner zu stören.
V. Ereignisse im Jahr 1704. A) In Deutschland Trotz des Bündnisses mit Portugal hatte die Sache des Kaisers wenig Fortgang gewonnen. In Ungarn nämlich, nahe bei der Hauptstadt des Kaisers, hatten sich mit dem Kriegsglück der Franzosen 1703 auch Unruhen geregt. Rakoczy hatte sich aus seiner Gefangenschaft in Neustadt zu befreien gewußt, anderthalb Jahr in Polen gelebt u. stand jetzt an der Spitze von 20,000 Mann Ungarn u. Siebenbürgen, die bes. unter Caroly Wien bedrohten, welche Stadt, nach welcher auch die Franzosen strebten, schleunigst durch Linien befestigt wurde. Auf den Rath des Prinzen Eugen sammelte der Kaiser seine Hauptmacht in Deutschland, um den Franzosen eine Vereinigung mit den Ungarn unmöglich zu machen, u. hat auch Marlborough ihn zu unterstützen. Dieser rief nun 10.000 Mann, welche am Rhein standen, zurück, u. indem er sich stellte, als wolle er den Feldzug an der Mosel eröffnen, ging er im Mai mit 15,000 Mann, welche er bei Mastricht gesammelt hatte, zwischen Venlo u. Roermonde über die Maas u. kam am 25. Mai nach Coblenz, von wo aus er nach Mainz marschirte. Die Lage des Kaisers wurde immer gefährlicher; 15,000 Franzosen waren durch die Engpässe[431] des Schwarzwaldes in Baiern eingedrungen u. hatten sich mit dem Kurfürsten Max Emanuel vereinigt, welcher nun mit 40,000 Mann ein Lager zwischen der Iller u. Donau bezog, während Tallard mit 45,000 Mann am Rhein stand, um nach den Umständen an die Mosel gegen Marlborough od. nach Baiern zu marschiren. Der Markgraf von Baden stand mit 25,000 Mann bei Blaubeuern u. hatte ein schwaches Corps bei Stollhofen zur Beobachtung Tallards zurückgelassen, Eugen aber hatte den Oberbefehl am Rhein übernommen. Der Marsch Marlboroughs, welcher unterwegs noch 10,000 Mann u. auch Holländer an sich zog, setzte die Franzosen in Verlegenheit. Villeroi marschirte zuerst vom Oberrhein nach Lothringen u. kehrte dann dahin zurück, als jener von Mainz aus bei Philippsburg eine Brücke über den Rhein schlagen ließ u. Landau zu bedrohen schien. Auch Tallard ging bei Altenheim über den Rhein, um sich mit Villeroi zu vereinigen, wenn die Verbündeten das Elsaß od. Lothringen angreifen würden. Marlborough ging aber über den Neckar u. auf dem geradesten Wege durch Württemberg nach Lauffen, überschritt hier den Neckar noch einmal u. hatte im Juni mit Eugen eine Zusammenkunft in Mondelsheim, wo sie den Plan des Feldzuges verabredeten. Kurz darauf trafen die beiden Feldherren in Heppach mit dem Markgrafen von Baden zusammen. Man setzte fest, daß Eugen mit 23,000 Mann die Linien von Stollhofen vertheidigen u. Tallard beobachten, der Markgraf u. Marlborough aber in Baiern eindringen sollten. Am 22. Juni vereinigte sich Marlborough bei Westerstetten mit dem kaiserlichen Heere unter Eugen u. Beide kamen überein den Oberbefehl einen Tag um den anderen zu führen. Der Kurfürst hatte ein Lager bei Dillingen bezogen u. Arco abgeschickt, um mit 15,000 Mann die Höhen auf dem Schellenberge zu vertheidigen, welche die Straße von Nördlingen nach Donauwörth decken. Am 2. Juli griff Marlborough die Verschanzungen in der Front an, erstürmte dieselben u. zwang Arco nach einem Verluste von 5000 Mann u. allen Geschützes zum Rückzug über die Donau. Er ging dann am Lech hinauf, sicherte seine Communication durch die Einnahme von Neuburg, Rain, Aicha u. Friedberg u. zwang den Kurfürsten bis unter die Mauern von Augsburg zurückzugehen. Marlborough machte nun dem Kurfürsten die vortheilhaftesten Anerbietungen, wenn er von der Verbindung mit Frankreich lassen wollte; dieser ging auch auf die Vorschläge ein, aber nur um Zeit zu gewinnen, bis Tallard mit seinem Heere herankäme. Dieser hatte am 2. Juli mit etwa 30,000 Mann den Rhein zwischen Strasburg u. Fort Louis überschritten, verlor aber sechs Tage vor Villingen, welches sich tapfer vertheidigte, u. erst am 22. Juli zog er ab, um dem bedrängten Kurfürsten Hülfe zu bringen, ging am 30. Juli bei Ulm über die Donau u. vereinigte sich am 4. Aug. bei Augsburg mit dem Heere des Kurfürsten. Marlborough bezog nun ein festes Lager bei Rain; der Markgraf von Baden belagerte mit 20,000 Mann Ingolstadt. Nach seiner Vereinigung mit Tallard ergriff der Kurfürst wieder die Offensive u. ging bei Dillingen über die Donau zurück. Marlborough folgte aber der Bewegung des Kurfürsten, setzte am 10. Aug. plötzlich über den Lech u. die Donau u. vereinigte sich den 11. bei Münster an der Donau mit Eugen, welcher mit dem Gros seines Corps hier stand u. den Schellenberg durch einen Theil seines Fußvolkes hatte besetzen lassen. Um die Belagerung von Ingolstadt zu decken, beschlossen die beiden Feldherren die feste Stellung bei Höchstädt zu besetzen, aber die französisch-baierische Armee war ihnen zuvor gekommen u. hatte sich dort festgesetzt. Die Verbündeten, da es ihnen an Fourage fehlte u. Villeroi ein Corps vom Rhein her ins Württembergische vorgeschoben hatte, mußten sich zur Schlacht entschließen, ehe der Kurfürst sein Lager noch fester verschanzte. Am 15. Aug. kam es bei (Blenheim) Blindheim u. Höchstädt zur Schlacht. Die Stellung der französisch-baierischen Armee war sehr fest, aber zu weit ausgedehnt; in der Front wurde sie durch den sumpfigen Haselbach gedeckt; der rechte Flügel, welchen Tallard befehligte, lehnte sich an Blenheim, der linke, aus Franzosen u. Baiern bestehend u. von dem Kurfürsten u. dem Marschall Marsin commandirt, bis Lützingen; vor dem Centrum lag das Dorf Oberklau, welches so wie Blenheim befestigt war. Die Infanterie stand in zwei Linien, so daß die erste Blenheim u. Oberklau unterstützen, im Nothfall auch vertheidigen konnte; die Cavallerie auf einem sanften Abhang hinter beiden Dörfern u. nach Lützingen zu; 90 Kanonen vor der Front. Das österreichisch-englische Heer betrug nur 52,000 Mann u. führte blos 60 Kanonen, aber es war an Cavallerie dem französisch-baierischen überlegen. Eugen führte den rechten Flügel, Marlborough (welcher aus seinem Heer das Centrum u. den linken Flügel bildete) das Centrum, General Cutts den linken Flügel; Marlborough befehligte das Ganze. Die Schlacht begann mit einem Angriff auf die beiden verschanzten Dörfer, aber die Engländer wurden von Blenheim, worein Tallard 12,000 Mann geworfen hatte, zurückgeschlagen u. in die Sümpfe getrieben; ebenso mißglückte ein Angriff auf Oberklau. Als aber Marlborough bemerkte, daß die feindliche Linie durch die starke Besetzung der beiden Dörfer sehr geschwächt war, ließ er, um ihr Centrum zu durchbrechen, die Dörfer durch Infanterie beobachten, ging mit der Cavallerie u. dem größten Theil des Fußvolkes durch die Sümpfe u. siegte; die Trümmern der feindlichen Cavallerie flohen nach der Donau, das Fußvolk wurde mit Tallard gefangen. Marlborough schloß nun Blenheim eng ein u. wendete sich nach Oberklau, um die noch übrigen Corps in die rechte Flanke zu nehmen. Der rechte Flügel der Verbündeten, viel schwächer als der ihm entgegenstehende linke der Franzosen, war nur mit Mühe über den Sumpf gekommen u. hatte den Theil der feindlichen Linien angegriffen, welcher zwischen Oberklau u. Lützingen aufgestellt war; zweimal zurückgeworfen, hatte Prinz Eugen sein Corps zum dritten Male persönlich zum Angriff geführt; aber auch dieser Angriff führte zu keinem Resultate, u. Eugen mußte sich begnügen den Kurfürsten u. Marsin so in Schach zu halten, daß sie Tallard keine Hülfe senden konnten. Jetzt räumte der Kurfürst Oberklau u. Lützingen u. floh durch den Höchstädter