Lebenskraft

[324] Lebenskraft (lat. vis vitalis) oder Lebensprinzip nennen viele Physiologen und Philosophen die Kraft der Organismen, aus der das Leben entspringt. Früher nahm man Lebensgeister (Spiritus vitales) an, welche die Verrichtung des Lebens besorgen sollten, dann einen eigenen Bildungstrieb (nisus formativus), so Blumenbach (1752-1840), zuletzt trat die Lebenskraft an deren Stelle. Treviranus (1779-1864) beschrieb sie als eine stets wirksame, unzerstörbare Materie, Autenrieth (1772-1835) als eine selbständige, von der Materie lostrennbare Kraft. Dieser dynamischen Auffassung steht die mechanische Betrachtung der modernen Physik gegenüber, nach welcher das Leben nicht Ursache, sondern Produkt eines Systems von Bedingungen und Mitteln ist, welche nach denselben mechanischen, physikalischen und chemischen Gesetzen wirken wie die übrigen Naturwesen. Vgl. Bildungstrieb. Liebig, Chemische Briefe. 1856. J. Müller, Handbuch d. Physiol. d. Menschen. 4. Aufl. 1844. Schopenhauer, Parerga II, 127. J. Frohschammer, Phantasie als Grundprinzip d. Weltprozesses. 1877. Preyer, Erforschung d. Lebens. Jena 1873.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 324.
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