Pedāl

[531] Pedāl (neulat., abgekürzt Ped., seltener P.), in der Orgel die für das Spiel der Füße (pedes) bestimmte Klaviatur, die etwa um 1325 in Deutschland erfunden wurde. Die Pedalklaviatur hat nur einen Umfang (für die Notierung) von C-d´, höchstens e´ (aber mit 16´-Registern besetzt, daher eine Oktave tiefer klingend). Beim Klavier ist das P. entweder eine ähnliche Klaviatur für die Füße (s. Pedalflügel), vorzugsweise aber heißen jetzt P. die beiden durch die Füße zu regierenden Züge, deren einer (das rechte P., Großpedal) die Dämpfer von den Saiten abhebt und nicht allein ein Nachklingen der Saiten, sondern auch die Verstärkung der Töne durch Mitklingen verwandter Saiten bewirkt (vgl. Klang). Dieses rechte P. (Fortezug) ist es, dessen Gebrauch in der Notenschrift durch Ped. verlangt und durch * aufgehoben wird. Das P. ist nicht sowohl ein Mittel, den Ton zu verstärken, als ihn abzudämpfen; mit gehobener Dämpfung erhält der Klavierton erst seine ganze Fülle (auch im pianissimo), und das Abdämpfen soll nur das Ineinandersummen der Töne verhüten; ohne P. spielt man eigentlich nur, wo kurze Töne beabsichtigt sind. Vgl. H. Schmitt, Das P. des Klaviers (3. Aufl., Wien 1892), und L. Köhler, Der Klavierpedalzug (Berl. 1882). Das linke P. der Klaviere (Pianozug), die Verschiebung, rückt die Klaviatur ein wenig nach rechts, so daß nur eine Saite jedes Tons getroffen wird, der Ton etwas Harfenartiges erhält und bedeutend schwächer ausfällt (verlangt durch »una corda«). Früher hatte man beim Klavier eine größere Anzahl Pedale, die allerlei Spielereien in Funktion setzten, z. B. den Pantalonzug, das Jeu de buffle u.a. (s. Klavier, S. 102). Auch in neuerer Zeit hat man noch Pedale besonderer Art zu konstruieren versucht, z. B. das Prolongationspedal (s. Prolongement), Zachariäs Kunstpedal (besondere Pedaltritte für Teile der Klaviatur) u.a. Bei der Harfe heißen Pedale die sieben Fußtritte, welche die Saiten verkürzen, d.h. ihren Ton erhöhen (s. Harfe). – P. wird auch sonst gebraucht (z. B. für die Treter am Fahrrad), scherzhaft auch für die menschlichen Füße, das »Fußgestell«.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 531.
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