Rej von Naglowice

[777] Rej von Naglowice, Mikolaj, poln. Dichter, geb. 4. Febr. 1505 zu Zórawua in der Ukraine, gest. 1569, wuchs fast ohne allen Schulunterricht als Naturkind auf und kam 1524 an den Hof des Andrzéj Teczyński, Woiwoden von Sandomir, wo er nicht nur seine praktische Ausbildung erhielt, sondern sich auch durch eifriges Selbststudium eine Masse von Kenntnissen aneignete, die er alsbald schriftstellerisch verwertete. Lebhaft, witzig, vortrefflicher Gesellschafter und leidenschaftlicher Freund der Jagd und der Musik, erwarb er sich die Gunst zahlreicher Magnaten sowie des königlichen Hofes, schlug aber alle ihm angebotenen Ämter aus. R. heißt der »Vater der polnischen Dichkunst«. Er verfaßte in kraftvoller, oft rauher Sprache sowohl kleine Gedichte und Epigramme, wie »Zwierzyniec« (»Tiergarten«, 1562) u. »Figliki« (»Scherzlieder«, Krak. 1568), als auch umfangreiche Dichtungen, wie z. B. das satirische Lehrgedicht »Wizerunek wlasny żywota czlowieka poczciwego« (»Darstellung des Lebens eines rechtschaffenen Mannes«, das. 1558; neugedruckt, Warsch. 1881–88) sowie in Prosa das durch Humor und Originalität ausgezeichnete Sittengemälde »Zwierciadlo« (»Der Spiegel«, Warsch. 1567; neue Ausg., das. 1829). Auch eine Übersetzung der Psalmen (um 1555), ein biblisches Drama: »Zywot Józefa« (»Josefs Leben«, Krak. 1545), eine »Postylla« (das. 1556) und eine Auslegung der Apokalypse (das. 1565) sind von R., der dem Calvinismus zuneigte, vorhanden. Seine poetischen Schriften erschienen zuletzt Krakau 1848. Vgl. H. v. Criegern, Nikolaus R. als Polemiker (Leipz. 1900).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 777.
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