Selbstmord bei Tieren.

[317] Selbstmord bei Tieren. Schon im Altertum wurde behauptet, daß gewisse Tiere in verzweifelten Lagen Selbstmord üben, in dem z. B. der von einem Feuerring eingeschlossene Skorpion sich in den Kopf steche, und ebenso Giftschlangen sich in der Gefangenschaft tödliche Bisse beibrächten. Es mußte nun zwar von vornherein als unwahrscheinlich erscheinen, daß ein Tier mit voller Absichtlichkeit Selbstmord begehen könne, da man ihm schwerlich ein Verständnis für den Tod überhaupt und die Endigung seiner Qualen durch denselben zuschreiben kann. Indessen haben Thomson, Ray-Lankester u. a. beobachtet, daß tatsächlich der durch Hitze oder auf seinen Körper konzentriertes Sonnenlicht gereizte Skorpion seinen Stachel auf sich selbst richtet und dann bald stirbt. Preyer und Bourne zeigten aber, daß diese Tiere schon bei einer Temperaturerhöhung auf 50° sicher sterben, und daß ein starker Schmerz im Kopfe die Ursache sein mag, wenn so gepeinigte Tiere den Stachel dorthin richten, wo sie einen Gegner, der den Schmerz verursacht, zu treffen glauben. Giftschlangen vermögen sich ebensowenig wie der Skorpion durch ihr eignes, für sie nahezu unschädliches Gift zu töten. Daß gefangene Tiere die Nahrung verweigern und dann leicht verhungern, kommt allerdings häufig vor, allein die Nahrungsverweigerung ist dann mehr auf Störung ihres Wohlbefindens als auf Selbstmordabsichten zurückzuführen, ebenso wie der Hund auf dem Grabe seines Herrn nur aus Trauer und Unlust zu fressen zugrunde geht. Als vorbereitende Handlungen zum Selbstmord hat man früher wohl auch das Abstoßen von Gliedmaßen und Körperteilen bei Krebstieren, Seesternen, Holothurien etc. bezeichnet, was vielmehr Wohlfahrtseinrichtungen sind. Vgl. Art. »Selbstverstümmelung bei Tieren«; Preyer, Aus [317] Natur- und Menschenleben (Berl. 1885); Bourne, The reputed suicide of Scorpions, in den »Proceedings of the London Royal Society«, Bd. 42 (1887).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 317-318.
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