Aēdon

[150] Aēdon, Tochter des Pandareus, lebte mit ihrem Gemahl, dem Künstler Polytechnos, zu Kolophon so zufrieden, daß sie der Götter Neid erregte. Eris ward daher von Here gesendet, dies Glück zu stören; sie vermochte Beide, ein Gebilde zu fertigen, wer am ersten fertig werde, sollte dem Andern eine Sklavin geben. Polytechnos fertigte einen Stuhl, A. ein Gewebe, sie war Siegerin. Der dadurch gereizte Gatte begab sich zu Pandareus u. erbat sich die Schwester der A., Chelidonis, angeblich dieser zur Gesellschafterin. Er erhielt sie, schändete sie aber unterwegs u. brachte sie der A. unerkannt als Sklavin. Chelidonis klagte ihr Leid am Brunnen, A. behorchte sie, u. Beide tödteten nun den Sohn der A., Itylos, u. legten das Fleisch dem Vater zu essen vor. Wüthend verfolgte sie Polytechnos zu ihrem Vater, dieser warf den Schwiegersohn in Bande, u. als[150] ihn A. aus Mitleid befreien u. ihr Bruder sie deshalb tödten wollte, verwandelten die Götter sie alle: A. in eine Nachtigall, Pandareus in einen Seeadler, seine Gattin in einen Eisvogel, den Itylos in einen Wiedehopf, Polytechnos in einen Specht u. Chelidonis in eine Schwalbe. Nach anderer Sage war A. Gemahlin des Thebaners Zethon, welchem sie den einzigen Itylos (Itys) gebar; eifersüchtig auf ihre kinderreiche Schwägerin Niobe, wollte sie deren ältesten Sohn umbringen, tödtete aber aus Versehen ihren eigenen, Itylos, u. ward auf ihr Bitten von Jupiter in eine Nachtigall verwandelt, welche immer um ihren Sohn wehklagt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 150-151.
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