Aristippos

[709] Aristippos, 1) A., aus Kyrene in Libyen, geb. 404 v. Chr., auf einer Reise nach Olympia hörte er den Sokrates, den er in Athen aufsuchte u. dessen Schüler er ward; lebte dann eine Zeit lang am Hofe des Dionysios II. in Syrakus, hernach in Korinth, wo er in vertrautem Umgang mit Lais stand. Einige sagen, daß er nach dem Tode des Sokrates Stifter einer eigenen, der Kyrenäischen Schule (Kyrenaiker) in Athen, wurde, indeß Andere legen dies seinem Enkel (s. den Folgenden) bei. Er schränkte die philosophischen Untersuchungen auf die praktische Philosophie ein, leitete Wahrheit u. Wohlsein von Gefühlen u. Empfindungen ab u. lud zum Genusse des Vergnügens, als des höchsten Gutes, ein, wogegen er den Schmerz für das größte Übel hielt. Klugheit, Tugend u. Freundschaft wären daher auch gut, sofern sie Vergnügen gewährten. Die Schriften unter seinem Namen sind unecht; Fragm. im 2. Bde. von Orelli's Opusc. graecor. sentent. u. im 1. von dessen Collect. epistoll.; Kunhardt, De Aristippo, Helmst. 1796; Wieland, Aristipp u. einige seiner Zeitgenossen, Lpz. 1800–2, 4 Bde.; 2) A. der Jüngere, Enkel des Vor., Sohn u. Schüler seiner Mutter Arete (daher Metrodidaktos, d.i. der Muttergelehrte); entwickelte nach Ein. aus seines Großvaters Lehre ein vollständiges System der Genußlehre (Hedonismus, s.d.), indem er das bewegliche Vergnügen, als aus einer angenehmen Bewegung der Sinne hervorgehend, als das höchste Gut annahm; 3) A., um 280 v. Chr. Tyrann von Argos, s.d. (Gesch.).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 709.
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