Fledermaus

Fledermaus
Fledermaus
Fledermaus

[54] Fledermaus ist der gemeinschaftliche Name einer großen Anzahl verschiedenartiger nächtlicher, häßlicher Thiere mit großem, weitem Maul und kleinen, lebhaften Augen.

Die meisten haben Ähnlichkeit mit den Spitzmäusen, unterscheiden sich aber von denselben hauptsächlich durch eine zwischen den Zehen und Füßen jeder Seite liegende, bis zur Schwanzspitze gehende dünne, fettige Haut, mittels welcher sie fliegen oder vielmehr flattern (fledern, daher der Name Fledermaus) können. Ihre Bewegungen dabei sind rasch, gewandt und sicher, sodaß sie selbst geblendet in den engsten Räumen an keinen festen Körper anstoßen, weswegen man bei diesen Thieren eine ungewöhnlich höhere, das Gesicht zum Theil ersetzende Ausbildung und Entwickelung des Gefühlsinns, zumal in der Nasen- und Ohrhaut, angenommen hat. Nach der Gestalt der Ohren, der Nase und des Kopfes überhaupt pflegt man die einzelnen Fledermausarten zu unterscheiden. Die hauptsächlichsten Verschiedenheiten im Bau des Kopfes sind auf beifolgender Abbildung angegeben. Die in den Ohren bemerkbaren scheinbar zweiten Ohren sind Ohrdeckel, mittels welcher das Thier die eigentlichen größern Ohren beliebig öffnen und verschließen kann. Die Farbe der meisten Fledermäuse ist grau- oder schwarzbraun. Die europ. Fledermäuse, deren es sehr viele Arten geben mag, da man allein in Deutschland 16 verschiedene zählt, sind im Ganzen unschädliche Thiere, fressen aber gern geräucherte Eßwaaren, sind daher den Rauchkammern sehr gefährlich und vertilgen viele lästige Insekten. In Indien nähren sich einige Fledermausarten von Früchten und in Amerika von Blut. Unsere inländischen Fledermäuse schlafen den Winter über, wobei sie sich meist paarweise, verkehrt und in ihre Flughaut eingewickelt mit ihren Krallen aufhängen. Bei warmer Witterung erwachen sie. Laufen können sie gar nicht, aber auf rauhen Flächen behend klettern. Alle Fledermäuse haben einen mehr oder minder widerlichen Geruch und sind sehr beißige Thiere. Die bekannteste Art ist die gemeine oder Speckfledermaus, welche eiförmige Ohren von der Länge ihres Kopfes hat und ein Junges gebiert, welches sie, an der Brust hängend, lange Zeit mit sich herumträgt. Nächst ihr sind die merkwürdigsten Arten: die Zwergfledermaus, die etwa zwei Zoll lang wird und in ganz Europa zu Hause ist; das Langohr, deren Ohren länger als der ganze Körper sind und die sich ebenfalls in Europa nicht selten findet; die Hufeisennase, mit langen, getrennten Ohren ohne Ohrendeckel und einer hufeisenförmigen Hautwulst auf der Nase; die Blattnase, mit zusammengewachsenen Ohren und Hautblättern auf der Nase. Die beiden letztern Arten leben in kalten und gemäßigten Gegenden. Zu den größten Fledermausarten gehört der nachstehend abgebildete Vampyr in Südamerika von der Größe einer Taube, welcher den schlafenden Menschen und Thieren Blut aussaugt. Die Wunde, die er dabei [54] macht, ist sehr klein, geht nie durch die Haut hindurch und scheint durch Saugen erzeugt, wie von Schröpfköpfen, tropft aber nach dem Wegfliegen des Thieres noch lange fort und zieht daher häufig Ohnmachten und andere gefährliche Zufälle nach sich. Noch größer, aber ganz unschädlich ist der nachstehend abgebildete fliegende Hund oder Kalong, welcher die Größe eines Eichhörnchens erreicht und mit ausgebreiteten Flughäuten 5 F. mißt. Er ist schwarzbraun, hat weite Ohren, nährt sich von Früchten, lebt in großen Schwärmen auf den Sundainseln, auf Java und Sumatra und wird häufig gejagt, da die Eingeborenen sein Fleisch dem des Feldhuhns an Wohlgeschmack gleichstellen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 54-55.
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