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Kreuzzüge

[216⇒] Kreuzzüge, die Kriege des christlichen Europa's zur Wiedereroberung Palästina's und Befreiung des heiligen Grabes aus den Händen der Ungläubigen. Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten wallfahrteten zuweilen fromme Pilger zum Grabe des Erlösers, später aber, als die Sarazenen Palästina in Besitz genommen und Gefahren mit einer solchen Wanderung verbunden waren, wurden die Wallfahrten immer häufiger, denn den ritterlichen Sinn des Mittelalters reizte außer der Hoffnung auf Vergebung der Sünden noch die Sucht Abenteuer zu bestehen. Die eigentlichen Kreuzzüge, so genannt, weil die Krieger sich mit dem Zeichen des Kreuzes schmückten, begannen 1096, wo Peter von Amiens in Uebereinstimmung mit Papst Urban II. auf der Kirchenversammlung zu Clermont das Kreuz predigte und alle Anwesende für die Eroberung des heil. Landes begeisterte. Von da an bis 1291 zählen wir, außer vielen einzelnen, sechs Hauptkreuzzüge. Gottfried von Bouillon, an der Spitze eines Heeres von 39,000 Mann, eroberte nach vielen Kämpfen 1097 Nicäa, 1098 [⇐216][217⇒] Antiochien und Edessa, 1099 Jerusalem. Er stiftete das neue Königreich Jerusalem. Den zweiten Kr.-Zug unternahmen 1147 Kaiser Konrad III. und König Ludwig VII. von Frankreich, ohne jedoch dem von den Sarazenen bedrängten Königreiche Jerusalem viel zu nützen. Sultan Saladin entriß den Christen 1187 Jerusalem und dieß veranlaßte 1189 den dritten Kr.-Zug, an dessen Spitze Kaiser Friedrich I., König Philipp August von Frankreich und König Richard Löwenherz von England standen. Der Kaiser ertrank unterwegs, die Könige eroberten nur Ptolemais; Richard's Tapferkeit und Leibesstärke aber erregten damals die Bewunderung ganz Asiens. 1217 führte König Andreas II. von Ungarn den vierten und 1228 Kaiser Friedrich II. den fünften Kreuzzug. Letzterer nahm durch Vertrag Jerusalem, das jedoch bald wieder verloren ging. Die Reihe dieser Züge schließt König Ludwig IX. (d. Heilige) von Frankreich, er gerieth aber nach geringem Erfolge mit seinem Heere in Gefangenschaft. 1291 fiel der letzte Besitz der Christen, Ptolemais, in Feindes Hand. – Die Kreuzzüge haben einen wohlthätigen Einfluß auf Europa's Kultur gehabt. Die Völker lernten sich mehr kennen, durch den erweiterten Handel bildete sich ein neuer Mittelstand und europ. Kunst und Wissenschaft machten in Asien wichtige Erwerbungen.

S. [⇐217]

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 6. 1836, S. 216-217.
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216 | 217
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