Sizilien nach dem Frieden. Dionysios' Aufgaben. Niederwerfung des Aufstands und erste Eroberungen

[81] Die Karthager haben den Frieden von 405 als definitiv betrachtet. Ihr Übergewicht auf der Insel schien nicht nur politisch fest begründet. Wenn bisher, da der wirtschaftliche Aufschwung der libyschen Provinz (Bd. IV 1, 643) noch nicht voll entwickelt war, Karthago einen Teil seines Getreides von Agrigent beziehen mußte, so erhob es jetzt selbst den Bodenzehnten in der Hälfte der Insel. Die Griechen waren so gründlich gedemütigt, daß eine neue Erhebung nicht mehr zu befürchten schien. Auch hätten die eroberten Städte aus eigenem Antrieb schwerlich noch einmal den Waffengang mit Karthago gewagt; die Reste der alten Bevölkerung mußten froh sein, überhaupt wieder zu einer erträglichen Existenz zu gelangen. Mit Ausnahme von Himera, dessen Stelle von Thermä ersetzt war (o. S. 65), sind sie wiederhergestellt worden; aber sie[81] alle waren in ihrer Kraft gebrochen und die Zeiten ihres Glanzes definitiv vorbei. Selbst Agrigent, das bald wieder eine volkreiche Stadt wurde und noch einmal eine bedeutende Rolle in der Geschichte spielen sollte, hat, wenn es auch die übrigen Tempel notdürftig restaurierte, doch nie daran denken können, den gewaltigen Zeustempel (Bd. IV 1, 615) zu vollen den, der mitten im Bau war, als die Karthager kamen; bis auf den heutigen Tag liegt er da, wie die Karthager ihn gelassen haben. Von den frei gebliebenen Griechenstädten an der Ostküste schien erst recht nichts zu befürchten; diese fünf oder sechs Gemeinden (Syrakus, Leontini, Katana, Naxos, Messana, dazu die flüchtigen Syrakusaner in Ätna) mochten fortfahren wie bisher sich zu zerfleischen, gefährlich konnten sie schwerlich werden; dafür war schon durch die Klausel des Friedensvertrags gesorgt, welche die Unabhängigkeit aller Sikeler anerkannte. Auch diese Rechnung hätte sich wahrscheinlich als richtig erwiesen, wenn nicht Karthago selbst, indem es den Vertrag mit Dionysios abschloß und durch seine Anerkennung seine Stellung festigte, ein neues Element in die Verhältnisse eingefügt hätte. Die karthagische Regierung mochte glauben, daß der Usurpator sie als Rückhalt benutzen werde gegen die republikanische Opposition und von ihm daher Feindseligkeiten weniger zu erwarten seien als von der Demokratie, und Dionys wird es bei den Verhandlungen an Versicherungen in diesem Sinne nicht haben fehlen lassen. Aber diese Annahme war ein Irrtum; eine dauernde Allianz mit Karthago war für Dionys eine Unmöglichkeit.

Was Alkibiades und Lysander in der Fülle ihrer Macht nicht gelungen war, hat Dionysios in Syrakus erreicht. Daß in Syrakus die staatlichen Formen, die er, wenn nicht umstoßen, so doch beiseite schieben mußte, nicht so festgewurzelt waren wie in Athen und Sparta, hat ihm den Erfolg erleichtert; aber möglich war er doch nur, weil in dem Kampf um die nationale Existenz die Monarchie als das einzige Mittel erschien, das vielleicht noch Rettung bringen konnte. So beruhte seine Herrschaft auf der Idee des Nationalkriegs gegen Karthago; nicht nur seine Heimatgemeinde, sondern die ganze Insel, zum wenigsten soweit sie griechisch war, aus der Hand der Barbaren zu erretten, war seine [82] Aufgabe. Wenn er dies Prinzip aufgab und den Frieden als dauernd anerkannte, hob er damit selbst die Basis seiner Stellung auf; dann war er in der Tat nichts anderes als ein elender Abenteurer, der schleunigst beseitigt zu werden verdiente. In Syrakus dachten jetzt viele so, auch von denen, die ein Jahr zuvor für die Aufrichtung der Monarchie gestimmt hatten; um so dringender war es geboten, daß er all seine Kraft der großen nationalen Aufgabe widmete. Freilich war es nicht möglich, einen Schritt in dieser Richtung zu tun, ehe er nach innen seine Stellung gesichert und in jahrelanger schöpferischer Arbeit die Vorbereitungen vollendet hatte. Dies ist das Verhängnis des Dionysios gewesen. Ganz anders würde er wie im Leben so im Gedächtnis der Menschen dastehen, wäre ihm gleich in seinem ersten Feldzug ein entscheidender Erfolg beschieden gewesen: dann konnte man über alle Schwächen hinwegsehen, die seinem Regiment etwa anhaften mochten; dann hatte er das wahre Königtum gewonnen, und jeder Versuch, ihn zu stürzen, war von vornherein als Hochverrat gegen die Nation verurteilt. So aber, nach dem ruhmlosen Ausgang des Krieges, hatte er die Berechtigung der Usurpation erst zu erweisen: und doch war das unmöglich, wenn er nicht die unumschränkte Macht behauptete. So mußte er, um das Große leisten zu können, zu dem er die Kraft, in sich fühlte, zunächst jede freiheitliche Bewegung durch Zwangsmaßregeln ersticken. Dadurch fällt ein finsterer Schatten auf sein Andenken; einstweilen konnte sich jede Erhebung gegen ihn, mochte sie aus idealen oder aus gemeinen Motiven hervorgehen, mit dem Nimbus eines Kampfes für die höchsten Güter eines freien Gemeinwesens umkleiden. Als er dann wirklich Großes geleistet und sich als den Mann erwiesen hatte, der allein, so weit menschliches Urteil reicht, imstande gewesen war, die schon dem Untergang geweihte Existenz der hellenischen Nation im Westen zu retten, da war es zu spät. Niemand hat das mehr empfunden als er selbst; nie, auch in der Fülle seiner Macht, hat er seines Lebens froh werden können. Die verherrlichende Darstellung seiner Taten durch Philistos hat ihm wenig geholfen; die späteren Historiker, Ephoros so gut wie Timäos, haben das Material aus ihm entnommen, aber seine Auffassung in ihr Gegenteil verkehrt.[83] Das ist herrschend geblieben; wie im Altertum Polybios mit seiner echt historischen, die landläufigen Phrasen kühl bei Seite schiebenden Auffassung fast allein dasteht, so haben sich auch von den Neueren immer nur wenige von dem traditionellen Schema frei machen können, das in dem Tyrannen lediglich den politischen Verbrecher sieht. Demgegenüber wird eine besonnene historische Würdigung dem älteren Scipio recht geben, der Dionys und seinen Nachfolger Agathokles als die beiden bedeutendsten und zugleich bei aller Besonnenheit kühnsten Staatsmänner bezeichnete, von denen er wisse; sie wird mit Plato, der wahrlich kein Freund des von Dionysios begründeten Systems gewesen ist, bekennen müssen, daß »möge man in göttlicher Fügung oder in der Tüchtigkeit, der beiden Regenten (um Dions willen nennt er neben Dionys den Hipparinos) oder in beidem zusammen die Ursache der Rettung Siziliens sehen, Tatsache bleibt, daß Sizilien damals gerettet ist; und so ist es gerecht, daß alle den Rettern die Dankesschuld abtragen, mag die Tyrannis in der Folgezeit auch ihre Stellung mißbraucht haben«, und daß »jene Männer, indem sie die Hellenen von den Barbaren erretteten, es überhaupt erst möglich gemacht haben, daß wir jetzt (im J. 352) über die Verfassungsfragen diskutieren können«. Zugleich aber wird sie im Gegensatz zu Plato anerkennen, daß die Mittel, zu denen Dionys gegriffen hat und die das Bild des gewaltigen Tyrannen verdunkeln, nicht von seiner Wahl abhingen, sondern ihm durch die Umstände aufgezwungen sind – das hat eben das Scheitern des unter Platos Auspizien unternommenen Versuchs erwiesen, den Staat des Dionysios in einen anderen umzuwandeln, der den idealen Anforderungen an ein griechisches Staatswesen besser entsprach151.

[84] Nach dem Friedensschluß hat Dionys zunächst die notwendigsten Maßregeln zur weiteren Sicherung seiner Herrschaft ergriffen. Er verlegte seine Residenz auf die Landzunge zwischen dem Festland und der Altstadt auf der Insel Ortygia und trennte sie durch gewaltige Mauern, die auch den Kriegshafen einschlossen, von der Neustadt. Die alten Bewohner mußten die Altstadt räumen und den Vertrauten und Söldnern des Herrschers Platz machen. Der konfiszierte Grundbesitz der Gegner, namentlich der erschlagenen oder geflohenen Reiter, wurde an die Söldner und die ärmere Bürgerschaft verteilt und diese durch befreite Sklaven ergänzt. Darauf ging Dionys gleich im nächsten Frühjahr 404 an die Wiedereroberung des Gebiets von Syrakus; der erste Angriff galt der Sikelerstadt Herbessos im Hinterlande der Hauptstadt. Aber während der Belagerung kam die Opposition der Bürgertruppen zum offenen Ausbruch; sie kehrten die Waffen, die sie jetzt wieder in Händen hatten, gegen den Tyrannen statt gegen die Feinde. Als ihr Oberst Dorikos die Meuterei unterdrücken wollte, wurde er erschlagen und die Ritter aus Ätna herbeigerufen. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln war Dionys völlig überrascht; er flüchtete nach Syrakus in seine feste Burg. Die Bürger rückten ihm nach und begannen die Belagerung; von Messana und Rhegion erhielten sie eine starke Flotte, die ihm die See sperrte. Auf den Kopf des Tyrannen wurde ein Preis gesetzt; um dem Hader und Mißtrauen innerhalb der Bürgerschaft ein Ende zu machen, berief man aus der Mutterstadt Korinth einen Vermittler Nikoteles152, der die Verhältnisse neu ordnen und zunächst den Freiheitskrieg zu Ende führen sollte. Dionys' Sache schien verloren; weder zu Lande noch zur See hatte er einen Ausweg offen; viele seiner Söldner und Freunde verließen ihn und wurden von den Aufständischen mit offenen Armen aufgenommen. Dionys selbst verzweifelte, sich zu behaupten; er berief seine Vertrautesten, um über die Möglichkeit des Entkommens zu beraten. Aber die Freunde, Philistos, Heloris, sein Adoptivvater, und andere, waren mutvoller als der Herrscher: [85] ein Tyrann müsse in seiner Macht sterben, er dürfe nicht, wie Dionys' Schwager Polyxenos meinte, auf einem Renner die Flucht suchen, sondern müsse sich eher an den Beinen aus seiner Burg schleifen lassen153. Eine Möglichkeit der Rettung gab es noch, wenn es gelang, die auf karthagischem Gebiet stehenden kampanischen Söldner heranzuziehen; sie hatten bereits wiederholt bewiesen, daß sie, wenn man ihnen genügenden Gewinn bot, einem jeden zu Diensten standen, der sie werben wollte. Um Zeit zu gewinnen, verhandelte Dionys mit den Aufständischen. Diese gingen darauf ein; mit 5 Schiffen dürfe er davon fahren. Sie glaubten jetzt, die Freiheit bereits erstritten zu haben. Ihre Truppen begannen sich aufzulösen; die Reiter kehrten heim, auch von den Hopliten ging ein großer Teil zur Feldarbeit aufs Land. Da erschienen plötzlich 1200 kampanische Reiter in ihrem Rücken, bahnten sich den Weg durch die kaum besetzten Posten und vereinigten sich mit Dionys. Auch zur See trafen Verstärkungen ein. Die Bürger, völlig überrascht, begannen untereinander zu hadern; nicht wenige betrachteten jetzt den Kampf bereits als aussichtslos. So hatte Dionys bei einem Ausfall leichten Erfolg und zersprengte die feindlichen Heerhaufen. Er gab Befehl, kein weiteres Bürgerblut zu vergießen; er wollte die Gegner versöhnen, nicht vernichten. Auch den nach Ätna Geflüchteten bot er Verzeihung und nahm alle, die zurückkehrten, freundlich auf; nicht wenige freilich verschmähten jede Versöhnung. Aber in der Stadt war Dionys' Herrschaft jetzt dauernd gefestigt; er benutzte die Zeit, wo die Bürger zur Ernte auf die Felder gingen, um durch eine allgemeine Haussuchung die Waffen zu konfiszieren. Die Kampaner entließ er reich belohnt, da er diesem unruhigen Elemente nicht trauen durfte. Sie erwiesen [86] sogleich die Berechtigung seiner Vorsicht, indem sie die Elymerstadt Entella, die sie aufgenommen hatte, bei Nacht überfielen, die Männer umbrachten und sich in ihrem Besitz behaupteten. Die Karthager ließen das ruhig geschehen; ob es Elymer waren oder Kampaner, die ihnen Zins zahlten, mochte ihnen gleichgültig sein154.

Die wirksamste Unterstützung für die Befestigung seiner Herrschaft fand Dionys in Sparta. Offenbar hat er gleich nach der Usurpation die Verbindung angeknüpft. Die spartanische Regierung war bereit, den Erben des Hermokrates zu unterstützen; sie erkannte, welche Dienste für die Behauptung ihrer Machtstellung im Osten der energische Herrscher ihr werde leisten können. Als daher Dionys sich jetzt nach Sparta wandte, entsandte dies den Aristos als Gesandten, mit dem Auftrag, nach Kräften für Dionys zu wirken (o. S. 10). Offiziell trat er als Vermittler auf; aber er benutzte die Verbindungen, die er mit Dionys' Gegnern anknüpfte, um sie und ihre Pläne dem Tyrannen zu verraten und den Korinther Nikoteles aus dem Weg zu räumen. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten blieben dauernd intim; Lysander, um dessen Gunst, als er der allmächtige Mann war, auch Dionys geworben hatte, ist später, nach seinem Sturz, als Gesandter Spartas am Hofe von Syrakus gewesen155.

Nachdem Dionys den Aufstand bezwungen hatte, nahm er die Kriege zur Eroberung Ostsiziliens wieder auf. Er lenkte dabei ein in die auch von der Demokratie niemals völlig verlassenen Bahnen seiner Vorgänger, des Gelon und Hieron. Noch weit entschiedener als diese ging er darauf aus, eine einzige große Hauptstadt zu schaffen, neben der nur abhängige Gemeinden bestehen durften; ihr sollte die ganze Insel untertan werden. Nur auf diesem [87] Wege, durch Aufhebung der kleineren, ewig mit Syrakus im Hader liegenden Nachbarstädte, konnte dem ununterbrochenen Kriege zwischen den Griechen ein Ende gemacht und ihre ganze Kraft gegen den Nationalfeind geeinigt werden; zugleich aber ließ sich alsdann eine gewaltige, mit allen Mitteln ausgerüstete Festung schaffen, die jeder Gefahr trotzen konnte. Wie dringend das nötig war, hatte der Karthagerkrieg erwiesen; er hatte in vernichtenden Schlägen dem Partikularismus auf der Insel das Todesurteil gesprochen. Den Krieg führte Dionys, seit der Kriegszug des J. 404 die ihm von dem Bürgerheer drohenden Gefahren gezeigt hatte, zunächst ausschließlich mit Söldnern, deren Bestand er noch weiter vermehrte. Material dafür war genug vorhanden, nicht nur in den auf allen Straßen und in allen Orten sich drängenden Abenteurern, die um Haus und Hof gekommen waren oder auch dem Glücke die Hand bieten wollten, sondern auch im Peloponnes und in den in immer größerer Menge aus Italien nach der Insel hinüberströmenden Sabellern aus Kampanien. Wie bedenklich es war, zu den um den Besitz der Insel ringenden Nationalitäten noch dies neue Element hinzuzufügen, hat Dionys, wie sein Verhalten im J. 404 zeigt, nicht verkannt. Aber nicht er hat sie zuerst nach der Insel gerufen, und als Realpolitiker mußte er nehmen, was sich ihm bot; er mochte hoffen, daß der griechische Einheitsstaat, den er schaffen wollte, auch diese Elemente werde absorbieren können so gut wie die Sikeler und Sikaner.

Im J. 403 (oder 402) unterwarf Dionys zunächst die Flüchtlinge in Ätna ohne Kampf; wer sich nicht fügen wollte, suchte in der Fremde, namentlich in Rhegion, Zuflucht. Dann wandte er sich, nach einem vergeblichen Angriff auf Leontini, gegen die Sikeler. Auch sie unterwarfen sich meist der Übermacht; um sie in Abhängigkeit zu halten, legte Dionys im J. 401 am Südwestfuß des Ätna bei dem Heiligtum eines einheimischen Gottes die Stadt Hadranon an. In Henna, der festen Burg im Binnenlande, gewann er die Suprematie, indem er einen Usurpator, den er anfangs unterstützt hatte, als er sich treulos erwies, mit der Bürgerschaft zusammen bekämpfte und die Volksfreiheit herstellte. Dagegen trat der mächtige Dynast Agyris von Agyrion auf seine Seite. Nur [88] in dem Bergland des Nordens behauptete sich Archonides von Herbita, wahrscheinlich der Enkel des Athenerfreundes (Bd. IV 2, 227), mit einem starken Söldnerheer unabhängig, ja er konnte Haläsa (o. S. 81) an der Küste besetzen und hier eine neue Kolonie gründen156. – Dionys wandte sich jetzt gegen die chalkidischen Städte. Katana und Naxos157 fielen durch Verrat in seine Hände, Leontini unterwarf sich. Alle drei Städte wurden aufs neue aufgehoben, wie Naxos und Katana schon unter Hieron (Bd. IV 1, 598), Leontini durch die syrakusanische Demokratie (Bd. IV 2, 116). Von den Naxiern und Katanäern wurde ein Teil verkauft, andere flüchteten nach Rhegion; der Rest wurde mit sämtlichen Leontinern nach Syrakus übergeführt. Die Feldmark von Naxos wurde den Sikelern158 überwiesen, in Katana, das um seiner günstigen Lage willen bewohnt bleiben sollte, kampanische Söldner angesiedelt. Diese Ereignisse haben mehrere Jahre (etwa 403-400) ausgefüllt159. Die Flüchtlinge suchten in Messana und Rhegion Hilfe zu gewinnen und stellten dort die Gefahr vor, die ihrer Existenz drohe, seit Dionys seine Macht bis an die Grenzen von Messana vorgeschoben habe. Die Rheginer, seit alters erbitterte Gegner von Syrakus, gingen voll Eifer auf den Plan ein und boten Heer und Flotte auf. Auch in Messana war eine Partei dazu bereit; die Feldherrn machten mobil und rückten mit den Rheginern zusammen gegen Syrakus vor (399). Aber die Majorität der Messanier [89] wollte von einem Angriff nichts wissen; die Truppen weigerten den Gehorsam und kehrten nach Hause zurück. Allein waren die Rheginer zu schwach, um etwas auszurichten; sie mußten sich bequemen, um Frieden zu bitten. Dionys stand bereits mitten in den Vorbereitungen zum Angriff auf Karthago; ein Krieg mit den Griechen konnte ihm nur störend sein. So verzieh er beiden Städten. Messana160 zog er bald ganz auf seine Seite161, indem er ihm einen Teil des Grenzgebiets abtrat. Auch Rhegion suchte er für sich zu gewinnen: er bot den Bürgern Verschwägerung und bat sie, ihm eine Braut aus ihrer Mitte zu senden; dafür versprach er ihnen Erweiterung ihres Gebiets und reiche Geschenke. Aber die Rheginer wiesen das Anerbieten mit Hohn zurück162. Die Folge war, daß Dionys mit ihren alten Feinden, den Lokrern, in Verbindung trat und sich von ihnen die Braut holte (u. S. 100).


Quelle:
Eduard Meyer: Geschichte des Altertums. Darmstadt 51965, Bd. 5, S. 81-90.
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