Kleist [1]

[609] Kleist, Ewald Christian v., ein trefflicher, durch den ihm weit nachstehenden Gleim angeregter Dichter, geb. 1715 auf dem Rittergute Zeblin bei Köslin in Pommern, gebildet auf der Jesuitenschule zu Kron in Großpolen, studierte später zu Danzig und Königsberg die Rechte, nahm aber 1736 dän., unter Friedrich II. preuß. Kriegsdienste, machte die Feldzüge von 1744 und 45 mit, war 1752 als Werbeoffizier in der Schweiz und st. am 4. Aug. 1759 an den Wunden, die er in der Schlacht bei Kunnersdorf erhalten hatte. K.s »Frühling« verdiente 1749 die begeisterte Aufnahme, die ihm zu Theil wurde, denn obwohl die Einheit des Gedankens fehlt, zumal der Frühling nur Bruchstück eines größern aber niemals erschienenen lyrisch-didactischen Gedichtes ist, u. die Hexameter sammt ihrer Vorschlagsilbe nichts taugen, so war er doch ein kecker Sprung aus der Stubenpoesie in die Wirklichkeit u. reiht ein Bild ans andere, die meist für eine ächtdichterische Erfassung der Natur Zeugniß ablegen. Seine übrigen Gedichte (in Oden, Liedern u.s.f. trat K. gleich Ramler u. Gleim als vorherrschend preuß. Dichter auf) stehen trotz der schönen Form dem Frühling weit nach. Sämmtliche Werke durch Körte, 5. Ausgabe Berlin 1853.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 609.
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