Fanar

[309] Fanar (Fanal), eins der Reviere (Mahalles) von Konstantinopel, am Goldenen Horn, im NW. der Stadt, nach einem Fanal oder Leuchtturm benannt, mit dem griechischen Patriarchat und der großen griechischen Nationalschule. Der F. ist meist von Griechen (Fanarioten) bewohnt, früher besonders von den altadligen Familien, die ihren Ursprung auf die Kaiserzeit zurückführen, wie die Maurokordatos, Monesis, Ypsilantis etc. Als unter Murad III. (1574 bis 1595) der griechische Patriarch sich im F. in einem alten Frauenkloster niederlassen mußte, siedelten sich die Reste der alten griechischen Aristokratie hier an. Die Familienhäupter nannten sich Fürsten; ihre Gemahlinnen führten den Titel Domna und ihre Töchter Domnizza. Bei dem Mißtrauen der Pforte konnten sie lange keinen politischen Einfluß erlangen, bis es endlich seit 1669 üblich wurde, die Dragomane der Pforte aus den Fanarioten zu wählen. Und seit 1731 wurden sogar die Hospodare der Moldau und Walachei aus den genannten adligen Häusern genommen. Andre fanariotische Familien kamen durch Geldgeschäfte in die Höhe. Der Aufstand der Griechen (1821) wurde von den Fanarioten nicht eben mit Begeisterung begrüßt; dennoch mußten sie schrecklich büßen, und manche Geschlechter der Fanarioten wurden fast ganz ausgerottet. Vgl. Zallony, Essai sur les Fanariotes (2. Aufl., Marseille 1830).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 309.
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