Gastronomīe

[384] Gastronomīe (Gastrologie, griech.), bei den Alten und jetzt noch die höhere Kochkunst, die Wissenschaft des Gaumens und der Zunge, die wissenschaftlich begründete Kenntnis alles dessen, was auf die mit Wohlgeschmack verbundene Ernährung des Menschen Bezug hat; nach Malortie die Kunst, wahrhaft gute Gerichte wertzuschätzen und das Essen derselben zu verstehen. Sie bestimmt den Einfluß der Ernährung auf den sinnlichen Genuß, aber auch zugleich auf die sittliche Entwickelung der Menschen, auf deren Einbildungskraft und Geist. Als Gastrosophie (»Magenweisheit«) bezeichnet man die Kunst, die Freuden der Tafel mit Weisheit zu genießen. Der Gastrosoph wählt aus dem Guten das Beste in schönster Form mit gewissenhafter Rücksicht auf Gesundheit und Schicklichkeit. Er sucht, indem er mit überlegenem Geiste Theorie und Praxis verbindet, mit Gesundheit und mit Genuß alt zu werden. Aus der besonders bei den Franzosen reichen Literatur sind zu erwähnen: Brillat-Savarin, Physiologie du goût (1825 u. öfter; deutsch von Vogt, 5. Aufl., Braunschw. 1888; auch in Reclams Universal-Bibliothek); Rumohr, Geist der Kochkunst (Stuttg. 1832); Vaerst, Gastrosophie (Leipz. 1851, 2 Bde.); Amero, Les classiques de la table (neue Aufl., Par. 1855, 2 Bde.); Walker, Aristology, or the art of dining (1835; neue Ausg., Lond. 1881); Hayward, Art of dining (neue Ausg., das. 1899); A. Dumas, Grand dictionnaire de cuisine (2. Ausg., Par. 1882); Anthus, Vorlesungen über Eßkunst (2. Aufl., Leipz. 1881); Weber, Gastronomische Bilder (2. Aufl., das. 1891); Kleinpaul, Gastronomische Märchen (das. 1893); Weißenturn, Die Kunst des Essens mit Berücksichtigung der Sitten und Gebräuche aller Länder und Völker (Berl. 1893); Brendel, Der Gastronom. Terminologie aller Speisen und Getränke (9. Aufl., Dresd. 1904); Georg, Verzeichnis der Literatur über Speise und Trank bis zum Jahr 1887 (Hannov. 1888).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 384.
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