Geten

[757] Geten (Getae), ein großes Volk des Altertums, wohnte zu Herodots Zeit zwischen Hämos (Balkan) und Donau, überschritt seit der Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. die Donau und besetzte das jetzige Siebenbürgen sowie die Walachei bis nach Bessarabien und bis zum Dnjestr. Gewöhnlich werden sie als ein thrakischer Stamm bezeichnet, bisweilen aber auch den Skythen zugerechnet. Die westlichen G. nannten die Römer Daker (s. Dacien). Sie wurden durch Dareios Hystaspis von Persien bei seinem Zuge gegen die Skythen 515 gezwungen, ihm zu folgen. Zu den makedonischen Königen standen sie bald in freundlichem, bald in feindlichem Verhältnis. Alexander d. Gr. bekriegte sie 335, Lysimachos 292. In der Mitte des 1. Jahrh. v. Chr. gebot König Burbista (Boirebista) über ein großes getisch-dakisches Reich, das aber nach seinem Tode zerfiel und allmählich von Rom abhängig ward. Unter Augustus triumphierte 28 v. Chr. Crassus über die G., und Älius Catus versetzte viele von ihnen in römisches Gebiet. Doch waren sie noch 100 Jahre später dem römischen Reiche gefährlich, bis sie Trajan unterwarf; ihr Land wurde nun förmlich in eine römische Provinz umgewandelt. Während der großen Völkerwanderung verschmolzen sie mit eindringenden Goten; die Ähnlichkeit des Namens veranlaßte griechische und römische Schriftsteller, ja die Goten selbst zu dem Irrtum, daß die Goten die Nachkommen der G. gewesen seien. Vgl. J. Grimm, Über die G. (Berl. 1847); W. Bessell, De rebus Geticis (Götting. 1854); Rösler, Die G. und ihre Nachbarn (Wien 1864); Müllenhoff in Ersch und Grubers Enzyklopädie.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 757.
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