Ghassali

[816] Ghassali (richtiger Ghazali, im Mittelalter Algazel), Mohammed ibn Mohammed, berühmter Theolog der Araber, geb. 1059 in oder bei Tus in Chorasan, gest. daselbst 1111, studierte in Nischapur, erhielt 1091 eine Professur an der Hochschule Nisâmîja zu Bagdad, gab 1095 infolge religiöser Gemütsbewegungen seine Stellung auf, pilgerte nach Mekka und lebte elf Jahre lang, immer ausschließlicher dem Sufismus ergeben, zu Damaskus, Jerusalem und Alexandria. Nach Tus zurückgekehrt, widmete er sich ganz dem beschaulichen Leben der sufischen Mystiker, das er nur noch einmal durch eine kurze Lehrtätigkeit in Nischapur unterbrach, gründete in Tus ein Sufikloster und eine Medrese für theologische Studien und schrieb eine Reihe von Werken, unter denen das bekannteste: »Ihjâ olûm ed-dîn« (»Belebung der Religionswissenschaften«), wiederholt im Orient gedruckt worden ist. G. geht aus von der aristotelischen Philosophie, kommt aber zur Skepsis an der Philosophie und verwertet nun seine philosophischen Kenntnisse zum Erweis der Überlegenheit des Islams über die übrigen Religionen und über alle philosophischen Systeme; seinen Seelenfrieden findet er indes erst in der Mystik. Am bedeutendsten unter seinen zahlreichen Schriften sind neben der genannten: »el Munkidh« (Text mit französischer Übersetzung von Schmölders in dessen »Essai sur les écoles philosophiques chez les Arabes«, Par. 1842; neue Übersetzung von Barbier de Meynard im »Journal asiatique«, 1877; mehrfach im Orient gedruckt); »Makâsid el-falâsifa«, »Tendenzen der Philosophen« und »Tahâfut el-falâsifa« (»Umsturz der Philosophen«, widerlegt von Averrhoës, s. d.), ersteres in lateinischer Übersetzung publiziert u. d. T.: »Logica et philosophia Algazelis« (Vened. 1506), Kapitel 1,2 herausgegeben von G. Beer (Leiden 1888); letzteres gedruckt Kairo 1303 d. H., lithogr., Bombay 1304; »Anfang der rechten Leitung« (Bulak 1287 d. H., oft in Kairo), ein paränetisch-sufisches Werk; »Alchemie der Glückseligkeit«, populär-ethisch (Kalkutta, o. J., und öfter im Orient; vgl. Homes, The alchemy of happiness, New York 1873); »ed Durra el-fâchira« (»Die kostbare Perle«, eine mohammedanische Eschatologie; mit französischer Übersetzung hrsg. von Gautier, Genf 1878) etc. G. schrieb arabisch, seltener persisch. Seine Werke sind vielfach kommentiert und z. T. im Mittelalter ins Hebräische übersetzt worden. Vgl. Gosche, Über Ghazzalis Leben und Werke (Berl. 1858).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 816.
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