Konrad von Marburg

[410] Konrad von Marburg, berüchtigter »Ketzermeister«, wahrscheinlich dem Orden der Dominikaner angehörig, ward von Papst Gregor IX. als Visitator der Klöster nach Deutschland gesandt und hier 1226 Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, auf die er namentlich nach dem Tod ihres Gemahls (1227), als sie sich nach Marburg zurückzog, einen großen Einfluß ausübte, und die er ganz für seine asketische Richtung gewann. Gelehrt, beredt und unsträflichen Wandels, aber auch fanatisch und herrschsüchtig, führte er die Glaubensgerichte ein und wütete am Rhein, in Thüringen und Hessen sowie besonders gegen die Stedinger (1232). Als er dem Grafen Heinrich von Sayn als einem Ketzer den Prozeß machen wollte, ward er vor eine Reichsversammlung zu Mainz geladen, mit einem Verweis entlassen und auf der Rückreise unweit Marburg von einigen Edelleuten 30. Juli 1233 erschlagen. Gregor IX. sprach ihn als Märtyrer heilig. Angeblich ist K. der Verfasser der »Epistola ad papam de miraculis Sanctae Elisabethae« (Köln 1653). Vgl. Henke, Konrad v. M. (Marb. 1861); Beck, Konrad v. M. (Bresl. 1871); Hausrath, Konrad v. M. (in den »Kleinen Schriften«, Leipz. 1883); Kaltner, Konrad v. M. und die Inquisition in Deutschland (Prag 1882, eine klerikale Verteidigungsschrift).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 410.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: