Läuse

[253] Läuse (Pediculidae), Familie aus der Ordnung der Halbflügler, sehr kleine, flügellose Tiere mit weicher Körperbedeckung, kleinem Thorax, großem, ovalem Hinterleib, fadenförmigen Fühlern, kleinen, einfachen Augen, zweigliederigen Tarsen mit großem, hakenförmigem, gegen das Basalglied zurückgeschlagenem Endglied und hervorstülpbarem, fleischigem Saugrüssel, dessen Vorderrand von Häkchenreihen eingefaßt wird. In dem Rüssel liegen vier hornige Halbröhren, die sich je zwei und zwei zu einer innern engern und einer äußern weitern Röhre vereinigen. Das innere Rohr wird aus dem weitern herausgestreckt, in die Haut eingebohrt und dient als Saugrohr; mit dem Hakenkranz hält sich das Tier fest und verursacht dabei die fressende Empfindung. Die L. leben auf der Haut von Säugetieren, wo sie mit Haaren bedeckt ist, um Blut zu saugen. Die Weibchen kleben ihre birnförmigen Eier (Nisse, Knitten) an die Haare; nach acht Tagen schlüpfen die Jungen aus und werden, wahrscheinlich ohne Häutungen durchzumachen (bei der Kopflaus in 18 Tagen), geschlechtsreif. Die Nachkommenschaft eines Weibchens kann in acht Wochen 5000 Stück betragen. Die Kopflaus (Pediculus capitis de Geer, s. Tafel »Halbflügler«, Fig. 18), bis 2 mm lang, ist graugelb, an den Rändern der Hinterleibsringe dunkler, legt etwa 50 Eier, lebt nur auf dem Kopfe des Menschen, besonders unsauberer Kinder. Die Kleiderlaus (Krankenlaus, P. vestimenti Burm.), 2 mm lang, schlanker, an den Rändern der Hinterleibsringe nicht gebräunt, lebt auf Brust und Rücken des Menschen, legt die Eier zwischen die Nähte der Unterkleider. Die Filzlaus (Phthirius pubis L., P. inguinalis Leach., s. Tafel »Halbflügler«, Fig. 17), 1 mm lang und fast ebensobreit, hat zwischen den Abschnitten des Hinterleibs behaarte Fleischzapfen, ist weißlich, in der Mitte braun, findet sich an allen stärker behaarten Körperteilen mit Ausnahme des Kopfes, besonders in der Schamgegend, bohrt sich mit ihrem Kopf ein und verursacht ein sehr empfindliches Fressen. Sie wird durch Einreiben mit Petroleum, durch Waschen mit Sublimatlösung oder durch weiße Präzipitatsalbe vertrieben, während die andern Arten schon bei genügender Reinlichkeit verschwinden; sehr starkes Haar netzt man mit heißem Essig. In Kleidern werden die L. durch starkes Erhitzen, durch Kochen beim Waschen getötet. Auch auf den Haustieren, besonders schlecht genährten und schlecht gepflegten, kommen L. vor: die Schweinslaus (Haematopinus urius Nitzsch.) namentlich an den Hinterschenkeln, die Pferdelaus am Halse, im Nacken, die Hundelaus (H. piliferus Deny) etc.; man vertilgt sie durch Insektenpulver, Quecksilbersalbe, Tabakabkochung. Als L. bezeichnet man auch die auf Haustieren schmarotzenden, aber nicht Blut saugenden Pelzfresser (s. d.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 253.
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